Beruf, Familie, Liebe, Trennung

Alice fragt: Wie vereinbare ich Beruf und Familie miteinander?

Alice ist Mutter – und viel beschäftigte Unternehmensberaterin. Doch ihr Freund ist nicht glücklich damit, wie sie Beruf und Familie vereinbart. Warum er damit droht, sich zu trennen und das Sorgerecht für die gemeinsame Tochter zu beantragen, lest ihr hier.

Beruf und Familie zu vereinen ist oft nicht einfach.
Wer als Mutter viel arbeitet, hat automatisch weniger Zeit für das Kind – genauso wie es bei Vätern auch ist.

Hallo Max,

mein Name ist Alice, ich bin 38 Jahre alt und selbstständige Unternehmensberaterin aus München. Ich bin gar nicht so sicher, ob ich hier bei Dir richtig bin, aber ich bräuchte Hilfe und da ich gerade sehr viel arbeite ist so ein Ratschlag über das Internet natürlich super praktisch!!

Nach der Geburt des Kindes schnell wieder zurück in den Beruf – erstmal kein Problem!


Zu meiner Situation: Ich bin seit 6 Jahren mit meinem Freund zusammen, den ich sehr liebe. Zusammen haben wir eine kleine Tochter, ich nenne sie jetzt mal Nina. Nina ist 4 Jahre alt und geht in den Kindergarten. Nach der Geburt meiner Tochter bin ich ziemlich schnell wieder ins Berufsleben eingestiegen, da ich meinen Beruf sehr liebe. In dieser Zeit hat sich hauptsächlich mein Mann um Nina gekümmert und tut das auch immer noch.

Beruf und Familie zu vereinen ist oft nicht leicht, wenn man viel unterwegs ist.
Bei manchen Jobs gehört ein Leben in Hotelzimmern einfach dazu – zumindest unter der Woche.

Da ich während der Woche viel unterwegs bin, schmeißt er also quasi den Haushalt, arbeitet aber trotzdem halbtags. Nun haben wir schon seit längerem Probleme, weil er mir vorwirft, ich würde mich nicht genug um unsere Tochter kümmern. Da ich ja wie gesagt während der Woche aber viel unterwegs bin und auch oft in Hotels übernachten muss, kann ich das nicht ändern. Dass das so sein würde, wusste er aber schon bevor wir unsere Tochter bekommen haben!

Wie lassen sich Beruf und Familie vereinbaren?


Natürlich belastet dieses Streitthema unsere Beziehung sehr! Auf der einen Seite versteht er meine Situation, aber er will auch dass ich weniger Projekte annehme, und mich wenigstens auf den Raum München beschränke, damit ich zumindest abends immer zu Hause schlafe. Das ist aber in meiner Branche schwer, da ich ein internationales Kundennetzwerk habe, das ich nicht so einfach (auch nicht ohne starke finanzielle Einbußen) aufgeben kann!

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Neulich kam es also deswegen wieder zum Streit, woraufhin er mir gedroht hat, sich von mir zu trennen und das Sorgerecht für Nina zu beantragen, wenn ich mich nicht bessere. Er hat mir vorgeworfen, Karriere ginge bei mir vor, und die Familie sei erst dran, wenn Zeit übrig sei. Dabei stimmt das gar nicht, mein Beruf ist halt einfach zeitintensiv.

Wie geht man mit so einer Drohung um?


Mich hat er mit seiner Drohung natürlich vollkommen überrascht! Ich habe es bis jetzt auch die letzten zwei Wochen geschafft, den Streit erfolgreich zu verdrängen. Denn ich liebe meine kleine Familie sehr, und will sie auf gar keinen Fall verlieren.

Ich weiß einfach nicht, wie ich meine Arbeit mit meinem Privatleben unter einen Hut bringen soll. Ich habe das Gefühl, ich muss mich entscheiden. Nur weiß ich nicht zwischen was. Und für was.

Kannst Du mir helfen?

Alice

Liebe Alice,

vielen Dank für Deine Nachricht! Ich kann sehr gut verstehen, dass Dich die Situation sehr belastet, schließlich geht es hier um Deine Familie!

Zuerst einmal ist es für Kinder wichtig, eine gute Beziehung zu beiden Eltern zu haben. Denn in den frühen Kindheitsjahren werden so viele Weichen für das spätere Leben gestellt, die mit den Eltern zusammenhängen – wie zum Beispiel die Fähigkeit, eine Bindung zu anderen einzugehen und ihnen zu vertrauen.

Auch als Mutter kann Beruf und Familie vereinbart werden


Aber das heißt natürlich nicht, dass eine solche, eben beschriebene Beziehung für eine berufstätige Mutter ein Ding der Unmöglichkeit ist. Natürlich gibt es Frauen, die in so einer Situation als Mutter überfordert wären und nicht mehr weiter könnten. Aber gleichzeitig gibt es genug Mütter, denen es gelingt, Beruf und Familie zu vereinbaren. Es kommt eben darauf an, was für ein Typ man ist. Denn ganz wichtig: Es ist im Grunde vollkommen egal, welcher Elternteil derjenige ist, der am meisten anwesend ist – Hauptsache das Kind hat das Gefühl, dass jemand für sie oder ihn da ist. Ob es da die Mütter oder die Väter sind, die unter der Doppelbelastung Beruf und Familie stehen ist erstmal irrelevant.

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Aber nun zu Deinem Anliegen: Ich denke, dass es wichtig ist, dass Du Dir kein schlechtes Gewissen einreden lässt, dass Du Dich zu wenig um Deine Tochter kümmerst. Klar, Du arbeitest viel – aber das heißt noch lange nicht, dass Du eine schlechte Mutter bist. Lass Dich nicht unter Druck setzen, sondern mach Deinem Partner klar, dass seine Forderungen nicht einfach so umzusetzen sind.

Warum ist es für ihn so schwer zu akzeptieren, dass man Beruf und Familie verbinden kann?


Und: Dich mit dem Sorgerecht für Euer Kind zu erpressen, das geht natürlich gar nicht! Ich rate Dir, ihm das klar zu machen! Ich persönliche frage mich auch, woher diese Forderungen so aus dem Blauen heraus kommen. Geht es vielleicht auch darum, dass er sich mehr Zeit mit Dir wünscht?

Gleichzeitig denke ich, dass es jetzt wichtig ist, dass Du Deinem Freund zeigst, dass Du ihn und seine Forderung ernst nimmst. Die Tatsache, dass er schon zum „letzten Mittel“ greift und eine Trennung androht, zeigt, dass er sich da vielleicht nicht ernst genug genommen fühlt. Jetzt wäre es wichtig, dass ihr gemeinsam versucht, an einer Lösung zu arbeiten. Eine ähnliche Mail habe ich übrigens von Adrian beantwortet, dessen Frau sich von ihm trennen will und der versucht, seine Beziehung zu retten.

Beruf und Familie will geplant sein.
Listen helfen, wenn man versucht, verschiedene Möglichkeiten für ein Problem zu sammeln.

Aber zurück zu Euch: Es gibt die alte Weisheit „Wo ein Wille ist ist auch ein Weg“. Und die nervt gewaltig – ich weiß. Aber irgendwie steckt auch ein gehöriger Funke Wahrheit darin. Daher rate ich Dir, Dir ein bisschen Zeit zu nehmen, um einmal zu überlegen, welche Möglichkeiten es gäbe, um dem Bedürfnis Deines Partners entgegenzukommen. Ich denke es wäre wichtig herauszufinden, worum es bei diesem Streit wirklich geht.

Was kann man tun, um Beruf und Familie besser zu vereinbaren – hier ein paar Tipps:


Was auch immer aber der Grund ist – Lösungen gibt es sicherlich viele. Denn es gibt genügend Beispiele, über die erfolgreiche Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Ein Tipp: Gestaltet die Zeit, die ihr gemeinsam verbringt, bewusster. Mit Ausflügen, Kinobesuchen etc. So haben oft alle das Gefühl, mehr “voneinander mitbekommen” zu haben. Und vielleicht gibt es ja tatsächlich die Möglichkeit für Dich, mehr zu Hause zu sein. Um das umzusetzen könntest Du Dir ein paar Tage freinehmen, Dich mit Kollegen austauschen und versuche, Dir Lösungsansätze bewusst zu machen.

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Bei der Evaluierung von Möglichkeiten könntest Du auch einen Coach zu Rate ziehen, der Dich bei diesem Prozess der Entscheidungsfindung unterstützt. Vielleicht könnte ja ein Kompromiss sein, dass Du beginnst, Dir ab jetzt langsam ein Kundennetzwerk in München aufzubauen. Oder eine Festanstellung in einem Unternehmen vor Ort…?

Ich wünsche Euch beiden alles Gute in dieser schwierigen Zeit. Und vergesst eines nicht: Es gibt Beziehungen, die vor scheinbar unlösbaren Herausfordeurngen stehen, zum Beispiel wenn der Freund nicht heiraten will. Ich denke aber, dass bei Euch ein Kompromiss gut möglich ist!

Dein Max

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