Familie, Liebe

Frau hat Sohn verschwiegen – jetzt ist das Vertrauen weg.

Rogers Frau hat ihm offenbart, dass sie einen 30jährigen Sohn hat – und ihm all die Jahre nichts davon erzählt hat. Jetzt ist nicht nur sein Vertrauen weg, sondern er fragt sich, wie sie das ihrem Sohn antun konnte. Lies jetzt, was Max ihm rät!

In dieser Beziehung scheint das Vertrauen weg zu sein.
Auch in einer jahrelangen Beziehung kann die Verbindung und das Vertrauen verlorengehen.

Hallo Max,

mein Name ist Roger und ich bin 50 Jahre alt.

Ich bin seit 17 Jahren glücklich mit meiner Frau verheiratet und wir hatten nie größere Probleme oder Streits. Zumindest keine, die erwähnenswert sind. Aber jetzt ist alles anders.

Frau hat Sohn jahrelang verheimlicht – und das Vertrauen ist weg.


Vor ungefähr zwei Monaten hat mir meine Frau gestanden, dass sie einen Sohn hat, von dem ich nichts weiß. Er ist mittlerweile schon 30, und sie hat ihn bekommen, bevor ich sie kennen gelernt habe. Sie hatte damals über mehrere Jahre einen Freund, der aus Tunesien kam und in Deutschland studiert hat.

Von ihm hat sie dann ihren Sohn bekommen. Und hat (das, was ich am allerwenigsten verstehe), bei der Trennung von ihrem Freund (das war wohl so ungefähr 2 Jahre nach der Geburt ihres Sohnes) EINGEWILLIGT, DASS ER IHREN GEMEINSAMEN SOHN MIT NACH TUNESIEN nimmt.

Am schwersten fällt es, ihre Gründe zu verstehen.


Die wichtigste Frage die ich einfach nicht verstehen kann, ist warum eine Mutter so etwas tut? Wie kann eine Mutter ihr Kind einfach so verlassen, ohne es zu vermissen? Und wie konnte sie all die Jahre mit mir und ihrer „neuen“ Familie (wir haben zwei Söhne die 14 und 15 sind) so leben, als ob es diesen Sohn nie gegeben hätte. Wie konnte sie ihre Söhne hier in Deutschland so lieben, ohne an ihren Sohn in Tunesien zu denken?

Wenn eine Mutter und ihr Kind getrennt werden, ist das für keinen von beiden einfach.


Ich habe viel darüber nachgedacht, auch im Zusammenhang mit meinen Söhnen. Und ich glaube, wenn einer meiner beiden Jungs in einem anderen Land leben würde, und ich ihn nicht jeden Tag sehen könnte, das wäre kein Leben, das ich führen könnte. Alleine der Gedanke daran lässt mir die Tränen in die Augen schießen.

Kein Vertrauen mehr zur Partnerin.


Und die zweite Frage, die ich nicht verstehe ist, warum sie mir nie etwas davon erzählt hat, sondern mich jahrelang belogen hat. Wir haben uns immer alles gesagt, und ich fühle mich jetzt so hintergangen. Hat sie kein Vertrauen zu mir? Warum war sie so lange so unehrlich zu mir? Ich fühle mich, als ob unsere ganze Beziehung eine Farce war.

Wenn man enttäuscht wurde, braucht es Zeit, wieder Vertrauen zu fassen.
Auch Männer haben Gefühle und sollten die Gelegenheit haben, diese zu klären.

Kurzum, ich weiß nicht, wie ich ihr je wieder vertrauen kann. Ich weiß, ich bin ein Mann, und so etwas sollte mich eigentlich nicht so sehr treffen, wie es das tut. Aber ich bin halt einer von der eher emotionalen Sorte. Und das kann ich auch nicht ändern. So, ich musste das jetzt einfach mal los werden. Kann es ja niemandem erzählen, meine Frau will das nicht.

Hast Du einen Rat für mich, wie wir wieder zu unserem alten Leben zurückkehren können? Wann kommt das Vertrauen wieder? Ich kann es mir gerade gar nicht mehr vorstellen!

Dein Roger

Lieber Roger,

das ist wirklich eine sehr ernste Geschichte, die Du mir da geschildert hast. Denn wenn man über Jahre mit jemandem das Bett teilt, von dem man glaubt, alles zu wissen, trifft einen so etwas wie ein Schlag. Ich kann gut nachvollziehen, dass das Vertrauen erstmal weg ist.

Und in Deinem Fall ist es nicht nur die Tatsache, dass sie ein Geheimnis vor Dir hatte. Und auch nicht nur der der Inhalt dieses Geheimnisses. Bei Dir kommt erschwerend hinzu, wie Deine Frau mit ihrem Geheimnis bzw. Ihrer Vergangenheit umgegangen ist – ein echter Vertrauensbruch, der sich gar nicht so einfach verarbeiten lässt.

Wichtig, um wieder Vertrauen zueinander zu fassen: Miteinander reden.


Natürlich kann auch ich Dir nicht beantworten, warum Deine Frau Ihr Geheimnis so lange Zeit vor Dir gehütet hat bzw. warum sie ihren Sohn hat nach Tunesien gehen lassen. Dafür solltest Du mit ihr reden und versuchen, sie zu verstehen.

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Sie ist immer noch die Frau, die Du seit Jahren liebst, und ich bin sicher, dass auch sie ihre Gründe gehabt haben wird. Diese werden für Dich wahrscheinlich nur schwer nachvollziehbar sein, aber Du solltest sie Dir anhören. Ihre Beweggründe zu kennen könnte Dir dabei helfen, sie nicht mehr als das „Monster“ zu sehen, das Du vielleicht jetzt gerade noch in ihr siehst – sondern wieder als die Frau, die Du liebst.

Mein Tipp: Höre Dir Ihre Seite der Geschichte an.


Und Gründe kann es viele geben! Vielleicht hat ihr Exfreund starken Druck auf sie ausgeübt. Oder sie war als Mutter überfordert. Manchmal ist die Entscheidung, ein Kind aufzugeben die, die mehr Liebe verlangt. Die, die mehr an das Wohle des Kindes denkt. Die, die wahnsinnig weh tut, aber am Ende vielleicht die richtige war.

Und ich wäre auch sehr vorsichtig mit der Anmaßung, sie habe kaltherzig ihre „neuen“ Kinder aufgezogen, ohne an Ihr erstes Kind zu denken. Du kennst ihre Gefühle diesbezüglich nicht. Sehr wahrscheinlich hat auch sie jahrelang gelitten – allerdings im Stillen.

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Solltest Du also Deiner Frau diese Fragen stellen, rate ich Dir, dabei behutsam vorzugehen. Denn es könnte sehr gut sein, dass sie unter Schuldgefühlen leidet und es ihr daher nicht so einfach fällt, darüber zu reden. Gib Ihr Zeit, sich Dir zu öffnen – ich denke, das wird nicht von einem Tag auf den anderen möglich sein. Und so schwer es Dir auch fallen wird: Versuche, ihr nicht die Schuld an allem zu geben, sondern Dir erst einmal Ihre Seite der Geschichte anzuhören. Und versuche, dass es nicht wieder zum Streit kommt sondern dass Du ruhig bleibst.

Das Vertrauen ist weg – aber wie konnte es dazu kommen?


Natürlich hast Du Dir aber auch eine berechtigte Frage gestellt. Warum hat Dir Deine Frau ihren Sohn verheimlicht? Auch das gilt es sie zu fragen. Denn wenn es um das Verschweigen von etwas geht, dann gehören da immer zwei dazu. Und ich bin sicher, dass Du die Motive für ihre Geheimniskrämerei besser verstehst, wenn Du auch Deinen Anteil daran verstehst. Den Grund, warum sie Dir in dieser Situation nicht vertraut hat. Und warum Dein Vertrauen jetzt weg ist.

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Du klingst sehr stark getroffen und ich finde es wichtig, dass Du Deine Gefühle so offen äußerst. Du schreibst, dass Männer sich eigentlich nicht von so etwas aus der Bahn werfen lassen sollten. Aber das denke ich nicht! Wir leben im 21. Jahrhundert. Männer dürfen zu dem stehen, was sie fühlen. Und ich finde Deine Gefühle durchaus berechtigt. Du gehst den richtigen Weg! Sprich aus, was Du denkst und was Du fühlst. Denn nur so kannst Du die Vergangenheit für Dich verarbeiten.

Aber wie kann man das gebrochene Vertrauen wieder aufbauen?


Es wird sicher Zeit brauchen, bis Du wieder Vertrauen fassen können wirst zu Deiner Frau. Was jetzt aber in meinen Augen das wichtigste ist, ist dass ihr das was passiert ist gemeinsam klärt, damit Du sie zumindest ein bisschen verstehen kannst und sich wieder eine Nähe zwischen Euch beiden einstellt. Ich finde übrigens, dass man in einer solchen Situation durchaus auch die Hilfe eines Paartherapeuten in Anspruch nehmen sollte. Überlegt Euch das einmal.

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Ich wünsche Dir auf jeden Fall alles Gute auf Eurem Weg. Und wer weiß, vielleicht begrüßt Du ja demnächst einen dritten Sohn in Deiner Familie. Man weiß nie, was kommt. Aber man darf nie vergessen, dass jede Krise auch neue Chancen birgt. Schau nach vorne!

Ich drücke Dich ganz feste,

Dein Max

P.S. Ein Brief, an den ich gerade denken musste ist der von Beate, deren Sohn ihr seine Homosexualität verheimlicht. Auch hier war es so, dass es für Beate schwer zu verstehen war, warum ihr Sohn das tut. In meiner Antwort habe ich ihr dann einige mögliche Gründe genannt, die eben ganz plausibel waren. Ich bin sicher, dass es auch bei Deiner Frau solche Gründe gibt.

Wichtiger Hinweis: Die auf www.Hallo-Max.de verfügbaren Artikel wurden zu rein informativen Zwecken online gestellt. Sie ersetzen keine psychologische Beratung, Behandlung oder Untersuchung durch einen Fachmann. Beachtet bitte hierzu auch den Haftungsausschluss bei psychologischen Themen.

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