Familie, Freundschaft

Mein neues Leben beginnt – aber ich habe Angst.

René hat sich erst spät von den Eltern gelöst und das Abitur nachgeholt. Jetzt will er studieren und ein neues Leben beginnen. Warum er sich jedoch trotzdem Sorgen macht und was das Thema “Vertrauen” damit zu tun hat, liest Du hier.

Mann, der eine große Veränderung im Leben vor sich hat.
Große Veränderungen im Leben erfordern oft auch großen Mut.


Hallo Max,

ich weiß zwar nicht, wer du bist, aber es kann auch nicht schaden auf sein Gefühl zu hören und anonym einmal sein Problem zu schildern.

Also ich bin 25 Jahre alt und befinde mich an einer Art Scheideweg meines Lebens. Das Abitur habe ich bis Juli diesen Jahres nachgeholt und nächstes Jahr werde ich studieren, in einer anderen Stadt.

Eine wichtige Entscheidung ist gefallen – und das Leben ändert sich langsam.


Nun zu meinem Problem: Allein zu wissen was ich nun machen werde hat sehr viel Energie gekostet, denn ich war mir noch nie in meinem Leben wirklich über etwas sicher! Jetzt bin ich es mehr als ich es jemals war! Doch nun merke ich, wie sich meine Sicherheit und meine Art “Veränderung” auch auf andere Aspekte meines Lebens ausweiten. Ich war bis vor ungefähr einem Jahr zufrieden mit meinem Leben. Ich lebte in einer Art “geschütztem” Kokon mit wenigen Freunden, Computer und einem Ziel.

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Jetzt möchte ich das aber nicht mehr und mir fehlt ganz einfach richtiger sozialer Kontakt. Auch das Abkapseln von den Eltern war schwer für mich und es ist immer noch nicht leicht auf eigenen Beinen zu stehen; für mich ist es leider so, da bin ich ehrlich!!!

Der große Wunsch für den Neuanfang: wieder unbeschwert leben.


Mir fällt es schwer zu wissen, was ich wirklich will und das Leben richtig losgelöst zu leben. Jeder Tag hält für mich “Prüfungen” bereit, die ich aber immer besser meistere. Trotzdem vermisse ich das Leben, so wie ich es lange nicht mehr hatte! Ich will mit einem Kern von Leuten und Menschen, mit ner Freundin, einfach drauf losleben. Ich habe mich jetzt wieder in meinem alten Boxclub angemeldet und es macht schon Spaß.

Mann versucht Neuanfang und zieht um.
Ein Umzug ist häufig eine große Chance für den Neuanfang – löst aber auch Angst aus.


Mir fehlt aber trotzdem noch stark dieses Gefühl des durchgängigen Vertrauens. Mir fehlt das Gefühl, dass alles ein Ende hat und „sich schon regeln wird“. Diese Art Urvertrauen habe ich nicht (mehr) oder es entwickelt sich nur schwer. Dabei weiß ich ja eigentlich genau, dass sich im nächsten Jahre einiges regeln wird, denn mit dem neuen Studium gehe ich einen großen Schritt.

Doch der nächste Schritt macht Angst.


In den letzten 3 Monaten war ich ganz schön durcheinander, so wie ich mich noch nie kannte!!! Kannst du mit dieser Schilderung etwas anfangen und wenn ja, gibt es dazu klare Worte? Was ist los, habe ich mich versteift, so “hineingebissen” in diese Situation, dass es eine Art Depression wurde oder passiert so etwas im Leben von Menschen?

Ich muss dazu sagen, ich war noch nie auf mich und meine Situation so “allein” gestellt wie nunmehr jetzt, denn mir wurde früher auch sehr viel abgenommen !!!

Ich danke sehr und besten Gruß

René

Lieber René,

vielen Dank für Deine Nachricht. Es ist tatsächlich ein bisschen schwierig, anhand Deiner Schilderung das ganze Problem bzw. die Situation zu verstehen. Aber ich werde es mal versuchen.

Also, so wie es mir scheint, hast Du Dich in den letzten Jahren etwas aus Deinem sozialen Leben zurückgezogen! Nun hast Du Dich aber entschieden, Dein altes Leben über den Haufen zu werfen, und noch einmal komplett neu anzufangen. Und dazu gratuliere ich Dir, denn das erfordert viel Mut. Du schreibst, Du hast Dich von Deinen Eltern abgekapselt und wirst sogar in einer neuen Stadt studieren. Das hört sich nach großen Entscheidungen an!

Auf eigenen Beinen zu stehen ist gar nicht so einfach – und kann hungrig auf mehr machen!


Es gibt Menschen, die verändern ihr ganzes Leben lang nichts, und werden nie richtig glücklich. Deswegen musst Du Dir mal ganz feste selber auf die Schultern klopfen, und sehen, was Du alles erreicht hast. Und dabei darfst Du Dich nicht so sehr unter Druck setzen – Rom wurde auch nicht an einem Tag erbaut. Du hast Dich gerade erst von Deinen Eltern abgekapselt, zugegebenermaßen später als andere Menschen. Aber was zählt ist, dass Du Dich für ein neues Leben entschieden hast und die ersten Gehversuche machst!

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Und jetzt bist Du ungeduldig, weil nicht alles so schnell geht, wie Du es Dir vorgestellt hast. Du willst ein intaktes soziales Leben, und hast auch schon erste – tolle – Schritte in diesem Sinn unternommen; Du hast Dich in Deinem alten Boxclub angemeldet! Du gehst in die richtige Richtung, musst aber der Veränderung auch Zeit geben!

Der Start ins neue Leben braucht Zeit.


Du schreibst, Du hast Dich innerlich verändert. Da ist es natürlich klar, dass es dauert, bis sich diese Veränderungen auch auf Deinen Alltag übertragen. Aber gerade zum Thema Freunde möchte ich Dir sagen, dass Du einen riesengroßen Vorteil damit hast, dass Du das Studium in einer anderen Stadt beginnst. So hast Du das Glück, Dich vollkommen neu zu definieren.

Mit dem Studium beginnt auch ein neues Leben.
Der Schritt ins Studium ist eine tolle Möglichkeit, sich selbst neu zu definieren.


Es gibt niemanden, der Dich aus Deinen früheren Computerzeiten kennst. Du musst Dich nicht rechtfertigen und beweisen, dass Du jetzt anders bist. Du wirst so wahrgenommen, wie Du jetzt gerade bist, das vereinfacht vieles. Und ganz nebenbei ist die Uni natürlich eine tolle Möglichkeit, neue Freunde kennenzulernen!

Angst vor der Zukunft gehört dazu, wenn man ganz neu anfängt.


Und es ist dabei vollkommen normal, dass Du ein bisschen Angst vor der Zukunft hast. Und dabei muss ich daran denken, dass Du ein gewisses Urvertrauen bei Dir vermisst. Auch das ist nicht ungewöhnlich. Ich kenne niemanden, der mit der Sicherheit, dass alles klappen wird an eine neue Situation herangeht. Natürlich machst Du Dir Sorgen, und das ist auch okay. Aber Du wirst sehen: Wenn das Studium erst einmal angefangen hat, werden sich viele Dinge lösen!

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Ich weiß es klingt einfach und kitschig, aber vertrau auf Deinen Instinkt. Vertrau darauf, dass Du die richtige Entscheidung für die Zukunft getroffen hast. Der Rest kommt ganz nebenbei von selber!

Ich wünsche Dir alles Gute für die nächsten Monate, und hoffe Dir geholfen zu haben bzw. Dich richtig verstanden zu haben. Lies Dir sonst auch noch einmal die Mail von Lola durch, die Angst vor dem Studium hat – weil sie befürchtet, zu dumm zu sein.

Dein Max

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