Beruf, Homosexualität

Mobbing am Arbeitsplatz – eine unerträgliche Situation!

Adrian ist schwul. Und er arbeitet auf dem Bau. Das führt zu Problemen! Lest hier, was das Mobbing am Arbeitsplatz mit ihm macht und was Max ihm rät.

Bauarbeiter, der am Arbeitsplatz gemobbt wird
Bauarbeiter in den USA.

Hallo Max,

mein Name ist Adrian und ich bin 38 Jahre alt. Als ich im Internet auf der Suche nach Ratschlägen für Menschen, die unter Mobbing auf der Arbeit leiden war, bin ich auf Deine Seite gestoßen. Ich möchte Dir sagen, dass ich die Seite ganz toll finde. Ich bin sicher, dass Du schon vielen Menschen geholfen hast.

Nun habe ich gesehen, dass Du schon einmal eine Frage zum Thema Mobbing beantwortet hattest. Aber da meine Situation ein bisschen anders ist (anderes Arbeitsumfeld) stelle ich meine Frage trotzdem.

Schwul und stolz darauf


Ich bin beruflich in der Bauwirtschaft tätig, genauer gesagt als Bauleiter. Das heißt, dass ich auf sehr großen Baustellen den Kontakt mit den Arbeitern halte und dafür sorge, dass alles richtig gemacht wird und reibungslos über die Bühne geht. Dieser Job ist eigentlich ein Traumjob für mich, wenn mich nicht anderen Arbeiter diskriminieren würden. Denn ich lebe meine Homosexualität offen und bin nicht bereit, das zu verstecken.

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Und so kommen öfters mal blöde Sprüche wie „Ist das überhaupt der richtige Platz hier für eine Dame wie dich“ usw. Das sind Kommentare, die mich innerlich sehr verletzen, äußerlich lasse ich mir nichts anmerken und mache meine Arbeit gut. Dafür werde ich von meinen Chefs auch sehr geschätzt.

Es scheint, als ob man dem Mobbing am Arbeitsplatz durch Kollegen nicht entkommen kann


Aber diese Alltagsbelastung knabbert schon sehr an mir. Anfangs dachte ich noch, das würde bei der nächsten Baustelle anders werden. Aber schnell habe ich herausgefunden, dass Baustellen zwar immer wieder wechseln, aber Bauarbeiter und Handwerker sich halt untereinander kennen. Und so macht das Gerücht über meine sexuelle Orientierung immer wieder schnell die Runde und die ganze – pardon – Scheiße geht wieder von vorne los.

Homosexuelle werden bei der Arbeit häufig gemobbt
Pride Parade in New York

Ich bin fast schon selber sauer auf mich, dass ich das alles so an mich heranlasse. Denn von den 30-40 Arbeitern mit denen ich zu tun habe sind es sowieso maximal ein oder zwei, von denen ich mir solche Kommentare gefallen lassen muss. Der Rest hält sich Gottseidank zurück. Aber auch wenn es nur diese ein, zwei Leute sind, trifft es mich trotzdem hart.

Was hältst du von meiner Situation?

Adrian

Lieber Adrian,

vielen Dank für Deine Nachricht! Dein Anliegen ist brandaktuell und ich hoffe, dass es auch anderen Lesern, die in einer ähnlichen Situation sind hilft zu sehen, dass es auch anderen so geht!

Auf der einen Seite sprichst Du das wichtige Thema Mobbing am Arbeitsplatz an, von dem in Deutschland viele Menschen betroffen sind. Du bist nicht der einzige und es ist richtig und wichtig, dass Du überlegst wie Du die Situation ändern kannst.

Jeden Tag werden in Deutschland Menschen aufgrund ihrer Homosexualität diskriminiert


Auf der anderen Seite geht es aber auch um die Schikane aufgrund Deiner Homosexualität. Auch dieses Thema ist hochaktuell in Deutschland, denn weiterhin sind viele Mitglieder der Lesbian-Gay-Bi-gender-and-Transsexual (LGBT) Gemeinschaft von Diskriminierung betroffen. Es ist nie leicht, zum Anderssein zu stehen – und Homosexualität ist in unserer Gesellschaft leider noch nicht überall akzeptiert.

Beim Nachdenken über Deine Mobbing-Situation sind mir ein paar Möglichkeiten eingefallen, wie Du Dir in der jetzigen Situation helfen könntest. Ich muss jedoch betonen, dass ich kein Spezialist auf dem Gebiet bin, kein Anwalt bin und meine Vorschläge keine Rechtsberatung sind.

Eine Lösung bei Mobbing am Arbeitsplatz: Mit den Kollegen sprechen


Zuerst einmal könntest Du versuchen, Dich direkt an Deine mobbenden Kollegen zu wenden und Ihnen zu sagen, wie sehr Dich ihr Verhalten stört. Denn oft haben die Menschen keine Ahnung, wie sehr ihre Kommentare andere Menschen wirklich verletzen. Wenn sie das aber dann vom Mobbing-Opfer persönlich mitgeteilt bekommen, dann merken sie doch schnell, dass ihre Äußerungen vielleicht mehr Leid hervorgerufen haben, als sie dachten. Ich weiß, eine solche Aktion erfordert viel Mut und muss gut überlegt sein. Aber vielleicht hast Du ja einen Kollegen, der dabei an Deiner Seite sein kann.

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Und wenn es sich immer nur um ein bis zwei Kollegen handelt, die Dich mobben, dann würde es wahrscheinlich auch reichen, nur mit diesen wenigen Kollegen ein ernstes Gespräch zu führen. Das Gute: Mit einer offenen Aussprache zeigst Du Stärke – das merken nicht nur die anderen, das wirst Du auch selbst fühlen. Die Aussprache könnte dabei helfen, Dich nicht zum Opfer machen zu lassen. Sondern Dich gegen diese schlechte Behandlung zu wehren.

Wenn die Konfrontation mit den Mobbern aber keine Option ist oder nicht hilft, würde ich mich an Deiner Stelle an Deine Chefin/Deinen Chef wenden. Denn mit dem Mobbing im Job ist nicht zu scherzen – es kann sogar dazu führen, “dass Menschen merken “Ich kann nicht mehr” und eine Depression entwickeln, wenn sie die Situation zu lange ertragen müssen. Du selbst sagst, diese Alltagsbelastung knabbert an Dir – das ist ein klares Anzeichen dafür, dass Dir die ewigen Hänseleien zusetzen.

Mit Deiner Chefin/Deinem Chef kannst Du Folgendes besprechen:

Eine weitere Möglichkeit wäre, dass Du Dich an Deinen Betriebsrat wendest – falls es einen gibt. Ich befürchte allerdings, dass der den Handwerkern auf Deiner Baustelle nichts zu sagen hat, da die ja unabhängig arbeiten. Möglicherweise hat der Betriebsrat aber auch eine andere Idee, wie Du trotz des Mobbings im Unternehmen bleiben, aber in einer anderen Postition arbeiten kannst.

Auch der Besuch bei einem Anwalt für Arbeitsrecht ist eine weitere Möglichkeit. Dort könntest Du besprechen, welche rechtlichen Möglichkeiten Du hast, um gegen das Mobbing vorzugehen. Zu guter Letzt gibt es noch Beratungsstellen, die zu diesem Thema beraten können – vielleicht gibt es ja auch in Deiner Stadt solch eine Stelle!

Was beim Mobbing am Arbeitsplatz auch hilft: Die Polizei.


Außerdem ganz wichtig: Auch wenn Mobbing generell kein Strafbestand ist – auch nicht am Arbeitsplatz – so sind einzelne, schwere Mobbingaktionen wie Beleidigung oder Verleumdung strafbar. Das bedeutet für Dich: Wenn eine Grenze überschritten wurde, solltest Du natürlich bei der Polizei Anzeige erstatten.

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Es stellt sich trotzdem die Frage, ob Du mit den täglichen Belastungen klarkommst. Oder ob eine Kündigung und ein Stellenwechsel die beste Lösung ist. Ich würde erst einmal die vorgeschlagenen Möglichkeiten versuchen (Konfrontation, Gespräch mit dem Chef, usw.). Wenn das alles nicht hilft, dann ist es wichtig, dass Du ganz genau auf Dein Inneres hörst: Versuche Dir so gut wie möglich vor Augen zu führen, wie verletzend diese Schikanen für Dich wirklich sind. Wie sehr sie Dein Leben negativ beeinflussen und ob Du sie überhaupt noch weiter ertragen kannst.

Es stellt sich die Frage: Kündigen oder bleiben?


Mein Tipp: Mach eine Liste mit Dingen die Dir an dem Job gefallen, und die Dir nicht an dem Job bzw. der Situation gefallen. Dann lässt Du die Liste eine Woche liegen und schaust nach der Woche, ob noch etwas hinzugekommen ist. Am Ende der Woche wirfst Du dann einen frischen Blick auf die Liste und hörst auf Dein Bauchgefühl – bleiben oder kündigen.

Natürlich stellt sich die Frage, in welchem Job Du dann weiterarbeiten sollst. Und ja, darüber wirst Du Dir Gedanken machen müssen. Ob es ein ähnlicher Job bei einer anderen Firma werden soll oder etwas ganz anderes. Aber ich persönlich finde, dass diese Entscheidung zweitrangig ist. Wenn das Mobbing auf der Arbeit Dir so sehr zusetzt, dass Deine Lebensqualität beeinträchtigt ist, dann ist es das wichtigste, hier etwas zu verändern! Lies Dir sonst gerne auch die Mail von Susanne durch, die ebenfalls unter Mobbing leidet.

Eine Liste hilft, gegen das Mobbing auf der Arbeit vorzugehen
Liste mit Pro und Contra

Wenn das Mobbing nicht mehr auszuhalten ist, hilft eine Krankschreibung


Eine wichtige Info noch zum Schluss: Zögere nicht, zum Arzt zu gehen und Dich krankschreiben zu lassen, wenn Du merkst, dass Du nicht mehr kannst! Denn Mobbing und die damit verbundenen Beeinträchtigungen sind nach meiner Einschätzung – auch wenn ich kein Arzt bin – ein klarer Grund für eine Krankschreibung.

Lieber Adrian, ich wünsche Dir alles Gute bei Deinem Job und hoffe, dass Du die für Dich richtige Entscheidung findest.

Dein Max

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