Liebe, Trennung

Gefühle für den Ex – aber er will keine Beziehung mehr.

Annemaries Exfreund sagt, er wolle keine Beziehung mehr – aber sendet trotzdem gemischte Signale. Was seine Dating-Tipps bei ihr auslösen und was Max ihr rät, lest ihr hier.

Exfreund will keine Beziehung - wie soll es weitergehen?
Wenn der Exfreund keine Beziehung mehr will, bricht für manche Menschen eine Welt zusammen.

Hallo Max,

mein Partner und ich haben uns vor einem Jahr „getrennt“. Wir waren mit Unterbrechung (damals sagte er mir „er erwidere meine Gefühle nicht mehr“) 22 Jahre ein Paar, lebten aber nur vier Jahre zusammen. Vor einem Jahr beschlossen wir also, es „freundschaftlich“ miteinander zu versuchen. Beide schlugen wir dies vor.

Ich, um ihn aus der Reserve zu locken – als Hilfeschrei. Ich wollte hören, dass er mich nicht verlieren will – und zwar als Partnerin. Er? Er sagte, sonst würden wir uns irgendwann nicht mehr mit dem „Arsch“ angucken…. (= wenn wir weiterhin eine Partnerschaft führen würden…)

Zuerst Streit mit dem Partner, dann folgte die Trennung.


Warum es soweit kam? Die üblichen Vorwürfe. Meine Fehler – Er: Du hast mich nicht im Krankenhaus besucht; Du bist mir vor anderen ins Wort gefallen; Du beschimpfst mich – das mache ich nicht; Du wolltest lieber malen, als mich besuchen; Du hast keine Zeit für mich…

Ich: Du bist nicht loyal; Du hältst mich hin – ich weiß nie genau, woran ich bei Dir bin; Ich soll immer in die Länder reisen, in die Du willst; Ich weiß schon lange nicht mehr, ob Du mich liebst – gesagt hast Du es nie; usw.

Der Auslöser für den Streit: Eine Fernbeziehung.


Dem ging eine schleichende Veränderung unserer Beziehung voran, die vor ca. 8 Jahren begann: Nach langer Arbeitslosigkeit, bekam ich endlich wieder einen Job, zu dem ich jeden Tag ca. 140km hin & zurück fahre. Am Wochenende dann zu ihm zu fahren – wir leben in getrennten Wohnungen –  war mir dann oft zu viel – ich hasste es, auch in meiner Freizeit Auto fahren zu müssen. Ich sagte ihm das – er zeigte zwar Verständnis, deute dann aber später an, dass es für ihn ein Mangel an Liebe gewesen sei…

Ich schlug ihm vor, uns gegenseitig, wechselseitig zu besuchen. Er kam dann nur sonntags – samstags arbeitet er. Ich hatte aber den Eindruck, er tat es nicht gerade mit Begeisterung. Ich lebe in der Stadt, das mag er nicht. Außerdem ist er eher der Typ, auf dem man zugehen muss, damit irgend etwas passiert. Er wartet lieber ab, bis sich alles auf ihn zu bewegt…

Empfehlung:
Trennungsschmerz: Es tut so weh.

Ich fuhr samstags zu ihm und blieb bis Sonntag. Wenn ich dann am späten Nachmittag aufbrechen wollte, nahm er mir das übel, so wie er es mir später erzählte – es war immer zu früh… Es wurde irgendwie zum Krampf. Ich fühlte mich nach einer Woche Autobahnkrieg und Arbeit müde – fühlte mich aber verpflichtet, zu ihm zu fahren. Obwohl ich ihn nicht verlieren wollte!

Aber: Eine Klärung scheint auch in zahlreichen Gesprächen nicht möglich zu sein.


Beide spürten wir, das unsere Beziehung nicht mehr „stimmte“. Zahlreiche, quälende Gespräche folgten. Ich hatte nie das Gefühl, dass er meine Worte wirklich verstand – wir sprachen unterschiedliche Sprachen! Das berühmte „Männer sind vom Mars, Frauen von der Venus-Syndrom“. Das machte mich fertig – ich fühlte mich wie in einer Gummizelle. Ihm ging es wohl ähnlich. Aber wenigsten versuchte er, mit mir zu sprechen.

Wenn er keine Beziehung mehr will, hilft auch kein Gespräch mehr.
Bei heftigen Streitereien kann es dazu kommen, dass keiner sich vom anderen verstanden fühlt.

Was ja bei Männern nicht selbstverständlich ist. Ich bin nur irgendwann diejenige, die aus Verzweiflung weggeht. Ohne über die Konsequenzen nachzudenken. Denn aus Verzweiflung werde ich wütend. Und dann ist mir in einem solchem Moment alles egal. Wenn ich verzweifelt wütend bin, werde ich auch laut. Er verhält sich angemessener – er ist mir da voraus.

Er will keine Beziehung – aber Freundschaft.


Dem Beginn unserer „Freundschaftsphase“ vor einem Jahr ging ein solches Gespräch voraus. Ich ging dann. Wir hatten dann weiter Kontakt. Ich immer mit der Hoffnung, dass wir wieder zusammen kommen. Als ich letzte Weihnachten ans Meer fahren wollte, fragte er mich, ob er mitkommen könne.

Klar wollte ich das! Ich dachte es sei eine Chance, einen Neuanfang zu finden. Der Urlaub verlief harmonisch, aber ohne Sex. Wir legten es beide nicht darauf an. Ich wollte mit ihm Händchen halten – es kam aber nur von mir, er ließ es nur freundlich – so nach dem Motto “warum nicht“ – zu. Da war mir schon klar, dass es von seiner Seite nichts „tieferes“ mehr war.

Empfehlung:
Ich liebe einen Einzelgänger – wie gehe ich damit um?

Dann habe ich ihm vor ungefähr einem halben Jahr gesagt, dass ich keine Freundschaft mit ihm haben könne, da ich immer noch wieder mit ihm zusammenkommen will. Ich fragte ihn, ob wir nicht versuchen sollten, unserer Partnerschaft wieder eine Chance zu geben. Seine Antwort: Er sehe für eine Beziehung keine Zukunft mehr (vor kurzem behauptete er, so hätte er das nie gesagt).

Gemeinsamer Urlaub trotz Trennung?


Einige Zeit später, fragte er mich, ob ich mit ihm auf die Lofoten wolle. In den Norden sind wir sechzehn Jahre gefahren – nur einmal ließ er sich „breit schlagen“ und „herab“, mit mir in die Toskana zu fahren. Natürlich wollte ich nicht: Es wäre einmal mehr, seinem Traum zu folgen. Das hatte ich Jahre lang getan. Weil ich ihn liebte.

Ich war ob dieses Vorschlag sehr wütend – die Fahrt sollte über 4000 km lang sein. Und dann noch dahin, wohin ich zuletzt hin wollte! Das schrieb ich ihm. Der Zorn führte meine Feder: ich wollte ihn verletzen, so wie ich mich durch ihn verletzt fühlte.

Seine Antwort, mit der er natürlich recht hatte: „Das ist deine Sicht der Dinge und deine Wahrheit. wie schade.“

Die letzte Möglichkeit: Kontaktabbruch, weil er keine Beziehung will.


Ich habe den Kontakt abgebrochen. 4 Monate lang. Auch nachdem er mir zum Geburtstag gemailt hatte, habe ich mich nur schriftlich bedankt. Allerdings habe ich ihm auch schriftlich zu seinem Geburtstag gratuliert – er hat ihn zehn Tage später.

Empfehlung:
Wie kann ich meine Beziehung retten, bevor es zu spät ist?

Irgendwann nach dieser Zeit musste ich ihn anrufen – ich hatte Winterreifen inseriert, die noch bei ihm zu Hause lagen (und liegen!) Natürlich war es wohl auch ein Vorwand, seine Stimme zu hören. Dabei ging es mir in den 4 Monaten der Kontaktsperre richtig gut! Denn ich fühlte mich nicht mehr so zerrissen. Er freute sich über den Anruf! Er sei so froh, dass ich mich melde!

Er will mich nicht mehr als Freundin, meldet sich aber ständig.


Wir telefonierten hin und wieder sahen uns auch – mal von seiner, mal von meiner Seite. Wobei klar war, dass er es so gut fand, ich aber immer wieder hoffte, dass wir unsere Beziehung retten könnten. Er war von sich aus immer hilfsbereit. Als ich großen Kummer wegen meiner Familie hatte, kam er und nahm mich in den Arm (Ich blieb stocksteif…) usw. Z.B. bot er mir – trotz meiner Einwände – mehrere Male an, etwas zu reparieren.

Vor drei Wochen fragte er mich dann, ob wir nicht zusammen meine Mutter besuchen wollten, er hätte es ihr versprochen. Ich lehnte ab. Er war bei meiner Mutter zu Besuch, ohne mich. Ich war im Museum.

Er sagt, er will nicht mehr – aber er verhält sich anders.


Da rief er mich an und fragte, ob er einen Kaffee bei mir bekäme. Ich sagte zu und er kam. Er erzählte, dass er meiner Mutter jetzt einen DIA-Abend versprochen hätte und deutete an, dass wir doch dann zusammen zu ihr gehen könnten. Auf mein Unverständnis hin folgte zwangsläufig wieder ein Beziehungsgespräch: Seine Vernunft sei stärker als seine Gefühle. Er will keine Partnerschaft mehr eingehen – weder mit mir, noch mit einer anderen Frau. Es ging dann auch um die Verletzungen, die ich ihm zugefügt hatte (s.o).

Er will keine Beziehung.
Von Liebe auf Freundschaft umzuschalten, ist gar nicht so einfach.

Ich fragte ihn dann, warum er denn mit mir und meinen „Fehlern“ „befreundet“ sein will, „ich bliebe doch dieselbe“ und ob wir in unserer Beziehung nicht befreundet gewesen seien? Das Resümee auf meine Frage, warum es mit uns so weit kommen konnte – er: „Wenn er keine Beziehung, sondern nur eine Freundschaft hätte, würde es ihn nicht so verletzen“..

Das hat mich sehr erschüttert, weil mir klar wurde, wie SEHR ich ihn verletzt haben musste… Das Gespräch verlief ruhig. Ich habe aber auch darauf geachtet, KEINE Vorwürfe zu äußern und es ihm auch gesagt, dass wir beide nicht dieselben Fehler erneut machen sollten. Auch von seiner Seite nicht.

Er will keine Beziehung, aber Kontakt.


Wir verabschiedeten uns liebevoll. Ich hatte sogar den Eindruck, dass er länger hätte bleiben wollen… Aber irgendwie auch das Gefühl, dass er merkte, wie sehr ich noch an ihm hänge und so etwas wie Selbstgefälligkeit deswegen…

Dann kam´s. In einigen Telefonaten störte es mich bereits, dass er mir Tipps gab, wohin ich in Urlaub fahren könnte usw. In dem Telefonat letzte Woche kam es dann noch schlimmer. Er hatte mir bereits vor mehreren Wochen von einer Frau erzählt, die Interesse an ihm hätte, er aber nicht. Ich tat so, als interessiere es mich nicht. Diesmal wollte ich seine Reaktionen testen.

Der Schock: Der Exfreund will wirklich nicht mehr.


Ich hatte mich auf Partnerschaftsbörsen umgesehen und mit einer Freundin, die auch Single ist, über diese Option unterhalten. Das erzählte ich ihm. Auch dass es Interessenten gäbe. Er äußerte Bedenken, ich solle vorsichtig sein. Und: Ob es denn keinen potentiellen, netten Partner auf meiner Arbeitsstelle gäbe…? Das gab mir den Rest. Mir geht es jetzt wieder so schlecht wie vor meiner viermonatigen Kontaktsperre…

Empfehlung:
Ich komme aus meinem Loch nicht raus – bin ich depressiv?

Ich weiß, dass ich akzeptieren muss, dass es zu Ende ist. Ich trauere. Und es tut weh. Ich habe beschlossen, über eine erneute Kontaktsperre zu überlegen. Ich weiß, dass es keinen Sinn macht, darüber nach zu grübeln, was sein in meinen Augen widersprüchliches Verhalten zu bedeuten hat. Trotzdem stelle ich sie mir immer wieder – die Frage: WAS WILL ER VON MIR? Eine Kumpelfreundschaft? Oder Spielchen? Wissen Sie eine Antwort?  

Annemarie

PS: Es mag so klingen, als ob es hier um eine Teenagerbeziehung geht – nein, leider nicht. Wir sind beide jenseits der 50… peinlich, nicht?


Liebe Annemarie,

vielen Dank für Deine Mail. Entschuldige bitte auch Du, dass meine Antwort etwas gebraucht hat.

Nun war Deine Mail sehr umfangreich, und ich denke Du wirst verstehen, dass ich nicht auf jeden Satz eingehen kann. Daher werde ich mal versuchen, meinen generellen Eindruck zu Deiner bzw. Eurer Situation zu formulieren.

Mein Eindruck: Er will nicht mit Dir zusammen sein – und das muss man akzeptieren.


22 Jahre sind eine lange Zeit. Eine Zeit, in der Ihr Euer Leben miteinander geteilt habt, in guten wie in schlechten Zeiten. Und so eine intensive Zeit vergisst man nicht so schnell bzw. einfach so. Aber hier kommt der Teil, wo sich das Verhalten von Deinem Ex-Freund und dir unterscheidet. Mir scheint es, als ob er mit der Trennung gut klar kommt und das auch nicht anders will. Ich habe wirklich den Eindruck, dass er sich Dir nach dieser langen Zeit noch sehr verbunden fühlt.

Empfehlung:
Unglücklich verliebt – und jetzt?

Diese Verbundenheit scheint mir allerdings eher freundschaftlicher Art zu sein, und – wenn überhaupt – nur noch ansatzweise romantisch. Aber das kann ich als Außenstehender natürlich nicht mit Sicherheit sagen – es ist nur mein Eindruck aus Deiner Geschichte. Klar gibt es hin- und wieder Anzeichen, dass auf seiner Seite vielleicht doch noch mehr ist, aber diese Anzeichen empfinde ich als eher schwach. Außerdem wirkt Dein Ex-Freund ein bisschen wie ein Einzelgänger auf mich, der Nähe gar nicht so gut zulassen kann. Möglich, dass er sich durch das Kontakthalten mit Dir weniger einsam fühlen will. Denn manche Leute haben große Angst davor, alleine zu sein und zum Beispiel depressiv zu werden.

Aber was willst Du eigentlich?


Nun bin ich selber aber gar nicht sicher, wie Deine Gefühle für ihn sind. Denn so wie Du schreibst, klingt immer wieder auch durch, dass Du Dir manchmal selber gar nicht so sicher bist, ob Du ihn noch liebst. Du schreibst sogar, dass Du Dich während der Kontaktsperre nicht mehr so zerrissen gefühlt hast. Deswegen frage ich mich, was es ist, das dich noch so sehr an dieser Beziehung festhalten lässt.

Empfehlung:
Hilfe – ich kann keine Nähe zulassen!

Ist es die Gewohnheit? Ist es die Freundschaft? Ist es die Partnerschaft? Sind es die gemeinsame Vergangenheit und die Erinnerungen? Ist es die Angst davor, alleine zu sein? Oft ist es bei einer Trennung eine Mischung aus allem. Und all das macht das Loslassen so schwer. Ähnlich ging es übrigens Martha, die mir in einer Mail von ihrem Trennungsschmerz und der Schwierigkeit berichtete, von ihrem Ex-Freund loszukommen. Auch die Mail von Adrian, der mich gefragt hat, wie er seine Beziehung retten soll, könnte Dir weiterhelfen.

Meine Empfehlung, wenn er wirklich keine Beziehung will: auf Distanz gehen.


Auf jeden Fall finde ich den Gedanken einer erneuten Kontaktsperre ganz gut. Sie hat Dir beim letzten Mal geholfen und wird Dir vielleicht auch diesmal wieder helfen, den Kopf frei zu bekommen. Etwas Abstand zu gewinnen. Und auch was die erneute Partnersuche angeht, ist es wichtig, einen Schlussstrich zu ziehen. Nur so kannst Du Deinen Kopf und Dein Herz für einen neuen Partner frei machen – wer unglücklich verliebt ist, steht sich da selber im Weg.

Liebe Annemarie, ich hoffe sehr, dass ich Dir zumindest ein bisschen weiterhelfen konnte.

Sei feste umarmt,

Dein Max

Wichtiger Hinweis: Die auf www.Hallo-Max.de verfügbaren Artikel wurden zu rein informativen Zwecken online gestellt. Sie ersetzen keine psychologische Beratung, Behandlung oder Untersuchung durch einen Fachmann. Beachtet bitte hierzu auch den Haftungsausschluss bei psychologischen Themen.

Tagged , , ,

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.