Beruf

Angst vor Studium: Bin ich dumm?

Lola macht eine Ausbildung zur Steuerfachangestellten. Aber der Job macht sie nicht glücklich. Sie spielt mit dem Gedanken, zu studieren aber fragt sich, ob sie dafür zu dumm ist. Lies jetzt, was Max ihr rät!

Wenn die Frage nach dem Studium aufkommt, fragen sich manche, ob sie dafür intelligent genug sind.
Ein Studium kann auf den ersten Blick überfordernd wirken.

Hallo Max,

ich melde mich bei dir, weil ich einfach keine Ordnung in meine Gedanken bringen kann: Es geht um mein Leben und meine Ziele.

Dazu solltest du wissen, dass ich die erste in meiner Familie mit Abitur bin, das war mein großes Ziel und ich bin stolz darauf. Nun befinde ich mich in einer Ausbildung zur Steuerfachangestellten, bin gut in der Schule, aber nicht wirklich gefordert. Der Beruf an sich ist mit stetiger Buchführungsroutine einfach nicht das, was ich mir auf Dauer vorstellen kann. Doch immer, wenn ich an eben diesen Punkt komme, frage ich mich, was es denn dann ist, was ich machen möchte?

Ich höre von vielen Seiten (weniger Familie, aber Freunde und Schulkollegen), dass ich gut bin und Potential habe, dass ich weitermachen soll, vielleicht ein Studium beginnen soll. Mein bester Freund beteuert immer, dass ich diejenige sein sollte, die studiert und nicht er.

Andere Menschen schaffen Dinge viel besser – bin ich dumm?


Ich weiß nicht, wohin es gehen soll, was wirklich zu mir passt und was ich will. Ich habe viele Seiten im Netz bemüht, Tests gemacht und kurz gedacht: vielleicht! Und mich dann gefragt, ob es das wirklich ist, ob ich das kann. Dann fühle ich mich klein und unbedeutend, schwach und dumm, weil ich auf der Arbeit schon tierisch unmotiviert bin. Ich habe nie das Gefühl etwas zu können, weil es immer Leute gibt, die mir mit einer Sekunde allein zeigen, dass sie besser sind.

Ein Mädchen, das sich fragt:  Bin ich dumm?
Es gibt Zeiten, da klappt einfach gar nichts. Manche Leute stellen sich dann sogar die Frage: “Bin ich dumm?”

Mein Selbstwert und meine Orientierung sind im Keller. Ich kann einfach nichts finden, für das ich brenne, kein Ziel nach dem Abschluss dieser Ausbildung sehen, mir bleibt nur ein knappes Jahr. Manchmal könnte ich heulen, wenn jemand da ist, weil ich dankbar bin, dass sich überhaupt jemand mit mir abgibt.

Vielleicht kannst du mir einen Tipp geben, wie ich ein Ziel finden oder zumindest meine Leistungen und Stärken anerkennen kann. Mein Kopf redet mir jedenfalls alles kaputt.

Liebe Grüße
Lola

Hallo Lola,

vielen lieben Dank erst mal für Deine Mail.

Als ich die Mail gelesen habe, habe ich mich gefragt, wer überhaupt “dumm” ist? Denn ich glaube, jeder Mensch kann unterschiedliche Sachen unterschiedlich gut und es gibt niemanden, der dumm ist.

Doch trotzdem fragen sich Menschen immer wieder “Bin ich dumm?” – da bist Du nicht die einzige. Dieses Gefühl kommt nicht nur in Situationen auf, in denen man mal etwas nicht so gut kann – also die eigenen Schwächen und nicht die eigenen Stärken hervorgehoben werden. Denn jeder hat Schwächen und kann manche Dinge nicht so gut, dafür andere Dinge besser.

Achtung: Gefühle können dazu führen, dass man den Eindruck hat, etwas nicht gut zu können – obwohl das vielleicht gar nicht so ist.


Das Gefühl, dumm und überfordert zu sein kann aber auch in Situationen entstehen, in denen Gefühle mit ins Spiel kommen! In Situationen, die man mit kühlem Kopf ohne Probleme lösen könnte. Aber wenn der Stress und vielleicht auch Druck, den man sich selbst macht, dazu kommen, dann verhält man sich anders. Auch Mobbing oder die wenige Motivation, von der Du schreibst kann da mit reinspielen.

Eigene Emotionen können einen bei der Arbeit so sehr beeinflussen, dass man denkt, man sei dumm.
Eigene Emotionen können einen bei der Arbeit auch negativ beeinflussen.

Man kann den kühlen Kopf nicht mehr wahren, fühlt sich durcheinander, minderwertig und dumm – und löst dann das Problem auch nicht so gut, wie das ohne die ganzen Emotionen gegangen wäre. Ein Grund dafür, etwas nicht so gut zu machen, wie man sich das selbst gewünscht hätte kann schon sein, dass es ein Kollege besser macht und man sich davon einschüchtern lässt.

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Mein erster Gedanke bei der Schilderung Deines Problems ist also: Ich glaube nicht, dass Du dumm bist! Ich könnte mir aber vorstellen, dass Du Dir selbst manchmal viel Druck machst, vielleicht auch manchmal sehr ungeduldig mit Dir selbst bist oder einen sehr hohen Anspruch an Dich stellst – zum Beispiel, dass Du etwas gleich beim ersten Mal genauso gut machen willst, wie Deine Kollegen, die das aber schon jahrelang machen und geübt sind. Und dann entsteht schnell das Gefühl, nicht gut genug zu sein.

Mein Tipp, wenn man sich dumm fühlt: Kleine Erfolge aufschreiben.


Vielleicht hilft Dir folgende Übung, um Dich nicht mehr so dumm zu fühlen. Schreibe Dir jeden Abend eine Sache auf einen Zettel, die Du besonders gut gemacht hast. Das kann mit der Arbeit zusammenhängen, aber auch mit der Freizeit.

Kleine Zettel, die eine große Wirkung haben können.

Ein Zettel könnte also lauten: “Heute habe ich einen aufgeregten und sauren Kunden am Telefon gehabt, den ich dann am Telefon beruhigen konnte”. Denke in kleinen Schritten, wenn Du überlegst, was Du heute gut gemacht hast. Du musst nicht jeden Tag die Welt gerettet haben – es geht darum, etwas Kleines gut gemacht zu haben. Wenn Dir etwas Großes gut gelungen ist, darf das aber natürlich auch auf den Zettel.

Das hilft Dir dabei, Dinge vor Augen zu führen, die Du gut gemacht hast und zu merken, dass Du eigentlich recht intelligent bist. Und wenn Du am Tagesende das Gefühl hast, in einer Situation “dumm” gehandelt zu haben, dann schau in Deine Kärtchensammlung – es gibt sehr wahrscheinlich irgendwo auf den Kärtchen eine ähnliche Situation, die Du aber ganz gut gelöst hast.

Bezüglich Deines Berufes finde ich, dass es noch zu früh ist, in Panik zu verfallen, auch wenn das klarerweise manchmal passiert. Du bist noch jung, und eine abgeschlossene Ausbildung kann nie schaden – es gibt so viele Menschen, die nach einer Ausbildung noch einmal etwas ganz anderes machen.

Aber: Wie findet man heraus, was man studieren soll?


Jetzt ist die Frage danach, was man in beruflicher Hinsicht mit seinem Leben anstellen soll natürlich nicht ganz so einfach gelöst. Ich finde eine erste Recherche im Internet schon mal ganz gut. Allerdings denke ich, dass eine Berufsberatung mit einer realen Person dich noch weiter bringen könnte. Solche Berufsberatungen gibt es eigentlich bei jedem Arbeitsamt und kosten nichts.

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Spontan musste ich bei Deiner Mail für den Fall, dass Du Dich für ein Studium entscheiden solltest, auch an www.arbeiterkind.de denken – einen Verein, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, junge Menschen zu beraten, die in ihrer Familie die/der erste sind, die/der ein Studium beginnt. Denn auch die Tatsache, dass Du die erste in Deiner Familie mit Studium wärst, kann einen ganz schön einschüchtern. Schließlich kennst Du nicht – wie Kinder von Akademikern – Geschichten über das Studium von Deinen Eltern. Das macht ein Studium noch “unbekannter” und möglicherweise auch “einschüchternder”. Schau dich doch einmal auf der Webseite von Arbeiterkind um oder ruf ganz einfach die Hotline an.

Wichtig: Der Beruf sollte Spaß machen.


Zum Schluss möchte ich Dir noch raten, dich von deiner geringen Motivation in der Ausbildung nicht beeindrucken zu lassen: Niemand hängt sich voll in einen Job rein, hinter dem er nicht steht bzw. der ihm keinen Spaß macht. Nutze die Angebote, die es gibt, um den richtigen Job zu finden. Vielleicht helfen dir auch ein paar Kurzpraktika in verschiedenen Bereichen weiter.

Und noch eines: Deine Mail hört sich danach an, als ob Deine Stimmung gerade ganz schön im Keller ist und es auch immer wieder depressive Phasen gibt. Falls sich das nicht bessert und auch Dein Selbstwertgefühl nicht steigert, ist auch eine Psychotherapie immer eine wichtige Möglichkeit, um Dir helfen zu lassen.

Ich wünsche Dir auf jeden Fall alles Gute!

Dein Max

Wichtiger Hinweis: Die auf www.Hallo-Max.de verfügbaren Artikel wurden zu rein informativen Zwecken online gestellt. Sie ersetzen keine rechtliche Beratung oder psychologische Beratung, Behandlung oder Untersuchung durch einen Fachmann. Beachtet bitte hierzu auch den Haftungsausschluss bei rechtlichen Themen sowie den Haftungsausschluss bei psychologischen Themen.

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