Gesundheit, Junge Leute

Übergewicht, Mobbing, Magersucht – wie kann ich akzeptiert werden?

Früher war Jacqueline stark übergewichtig – und litt in der Schule unter schlimmem Mobbing. Jetzt hat sie stark an Gewicht verloren und ist in die Magersucht gerutscht – aber die Situation wird nicht besser.

Bei der Magersucht spielt das Gewicht eine große Rolle.
Bei der Magersucht dreht sich alles um den Kampf mit dem Gewicht.


Hallo Max!

Noch Anfang dieses Jahres wurde ich wegen Übergewichts stark gemobbt und wollte abnehmen (das Mobbing begann in der 5. Klasse, also insgesamt 7 Halbjahre). Dann stieß ich auf den Begriff Pro Ana…

Zuerst kam Pro Ana, dann die Magersucht


So fing die Magersucht an. Ich nahm in den letzten 9 Wochen insgesamt 17 kg ab, mittlerweile esse ich auch mal eine Woche nichts. Aber ich fühle mich sehr gut dabei. Ich wünsche mir nur, dass mich meine Klassenkameraden, die mich in die Magersucht brachten, einfach mal dünn akzeptieren können. “Früher war sie viel zu fett, jetzt ist sie zu dünn!”, das meinte vor kurzem erst ein Klassenkamerad über mich.

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Magersucht – aber es geht mir gut damit


Wie kann ich einfach klarstellen, dass ich Magersucht habe und es mir gut geht damit – ohne dass jeder darüber redet. Ich habe Angst, es meinem Klassenlehrer zu sagen, da meine Mutter es nicht erfahren soll. Sie würde sich unnötige Vorwürfe machen, da sie mich immer unterstützt hat.

Soll man sich mit seiner Magersucht outen?


Trotzdessen würde ich mich irgendwann gerne vor meiner Klasse “outen”. Ich möchte ihnen sagen, dass ich Magersucht habe und dass sie mich reintrieben. Ich möchte ihnen sagen, dass ich nicht mehr konnte und sie mir helfen könnten, wenn sie aufhören zu lästern und mich einfach mein Ding machen lassen; dass ich hungern will!

Ich will so akzeptiert werden, wie ich bin… Ich will auch einfach nur glücklich sein, aber mit Magersucht.

Deine Jacqueline

Liebe Jacqueline,

vielen lieben Dank für Deine Mail, die mich sehr bestürzt gemacht hat.

Für mich hört es sich so an, als ob die letzten zweieinhalb Jahre eine sehr schwere Zeit für Dich waren. Das kann ich gut nachvollziehen – es ist kein schönes Gefühl, über eine so lange Zeit in der Schule gemobbt zu werden.

Typisch für Magersucht: großer Gewichtsverlust.


Was mir allerdings jetzt mehr Sorge macht, ist die Tatsache, dass Du in den letzten 9 Wochen 17 Kilo abgenommen hast. Das ist sehr, sehr viel und auch nicht gesund – das Gegenteil ist der Fall.

Du schreibst sehr offen darüber, dass Du unter Magersucht leidest – und dass Du Dich damit gut fühlst. Nun ist es allerdings so, dass die Magersucht eine sehr gefährliche Krankheit ist, die oft von den Betroffenen maßlos unterschätzt wird.


Magersucht ist gefährlich – Pro Ana ist es auch!

Wer magersüchtig ist, isst nicht gerne.
Genug essen ist wichtig – besonders in jungen Jahren, wenn der Körper noch wachsen muss.

Du selbst hast in Deiner Mail an mich die „Pro Ana“ Bewegung erwähnt, über die ich mich jetzt ein bisschen schlau gemacht habe. Was ich aus den vielen Artikeln zu diesem Thema herausgelesen habe ist, dass „Pro Ana“ zwei Seiten hat: Auf der einen Seite gibt diese Bewegung Menschen mit ähnlichen Problemen über Internetforen die Möglichkeit, sich gegenseitig Halt zu geben und sich zu unterstützen.

Auf der anderen, der gefährlicheren Seite, ermutigen sich in diesen Foren aber auch Menschen dazu, immer mehr abzunehmen, um ihrem gemeinsamen Schönheitsideal näher zu kommen: nämlich immer mehr auszusehen, wie eine stark untergewichtigen Frau. Das verschärft jedoch die Problematik der Magersucht bei den einzelnen oft noch mehr und ist sehr gefährlich für die Gesundheit.

Ganz wichtig bei Magersucht: Kompetente Hilfe suchen!


Nach all dem, was Du erzählst hast, habe ich das Gefühl, dass Du es gerade ganz schön schwer hast und es Zeiten gibt, wo Du einfach nicht mehr kannst. Daher finde ich es ganz wichtig, dass Du Dir Hilfe suchst. Und zwar jemanden zum Reden. Jemandem, dem Du einmal ganz persönlich Deine Geschichte erzählen kannst und der Dir dabei helfen kann, mit Deinen Problemen fertig zu werden. Zum Beispiel, wie Du mit Deinen Klassenkameraden am besten umgehen kannst.

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In solchen Gesprächen muss die Magersucht gar nicht im Vordergrund stehen – es sollte um all die Dinge gehen, die Dich gerade belasten. Solche Gespräche können einem tatsächlich sehr gut tun – der Gedanke, mit den eigenen Sorgen nicht alleine zu sein entlastet oft enorm! Einen ähnlichen Rat habe ich übrigens Joey gegeben, der nach einem Unfall an Panikattacken leidet und gemerkt hat, dass er Hilfe braucht.

Bei Magersucht sollte man sich an einen Erwachsenen wenden


Mein dringender Rat ist es, Dich an einen Erwachsenen zu wenden. Gemeinsam mit mit dieser Person kannst Du dann entscheiden, wie ihr weiter vorgeht. Diese Person muss nicht Deine Mutter sein, das kann auch eine Tante, ein Onkel, ein guter Freund deiner Eltern oder vielleicht ein Elternteil einer Freundin von Dir sein – Hauptsache, Du vertraust dieser Person.

Der nächste Schritt könnte dann der Besuch bei einer Beratungsstelle für Mädchen mit Magersucht sein (eine Liste mit Beratungsstellen findest du hier). Solch einen Besuch kannst Du entweder gemeinsam mit dieser Vertrauensperson machen – oder Dich auch ganz alleine um alles kümmern. Dort gibt es geschulte Mitarbeiter, die sich mit Magersucht bestens auskennen. Zusammen kann dann ein Weg gefunden werden, wie du selber glücklich wirst, ohne dabei hungern zu müssen.

Magersucht ist eine schwere Krankheit.
Für Menschen mit Magersucht ist es wichtig, sich Hilfe zu suchen.


Eine weitere Möglichkeit ist es, aufgrund der Magersucht eine Psychotherapie zu beginnen – abhängig von der Schwere der Magersucht macht man das entweder in einer Psychiatrie oder bei einem niedergelassenen Psychotherapeuten in Deiner Nähe. Dazu kannst Du Dich entweder an Deinen Hausarzt, eine Kinder- und Jugendpsychiatrie oder direkt an Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten in Deiner Nähe wenden und einen Termin vereinbaren. Da sowohl die Psychiatrien als auch die niedergelassenen Psychotherapeuten oft eine Warteliste haben, könnte es aber erstmal der schnellere Weg sein, dass Du Dich mit der Magersucht an eine Beratungsstelle wendest.

Eine Alternative zur Beratungsstelle: Eine Telefon-Hotline


Solltest du dich jedoch schwer tun, Dich einem Erwachsenen aus Deinem Umfeld anzuvertrauen – vielleicht auch, weil Du nicht willst, dass Deine Mutter davon mitbekommt – dann ist vielleicht das anonyme Beratungstelefon der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (dort ist man spezialisiert auf Essstörungen wie Magersucht) mit der Telefonnummer 0221-892031 ein Weg für Dich, die Hilfe zu finden, die Du benötigst.

Liebe Jacqueline, zum Schluss noch einmal kurz Klartext: Ich selber bin kein Spezialist, was Essstörungen wie Magersucht angeht. Daher rate ich Dir ganz dringend, Dich an eine der beschriebenen Stellen zu wenden. Magersucht ist eine gefährliche Krankheit, die an deinem Körper schlimme Schäden anrichten kann. Denn durch das Hungern bekommt er nicht die Nährstoffe, die er eigentlich bekommen sollte – und du kannst bleibende Schäden davon tragen. Die gute Nachricht ist aber: Je früher man als Magersüchtige Hilfe sucht, desto besser ist sie zu behandeln und zu heilen.

Also warte jetzt nicht zu lange, um Dir Hilfe zu holen!

Ich wünsche Dir alles, alles Gute auf deinem Weg.

Sei ganz, ganz feste gedrückt,

Dein Max

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