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Hilfe: Meine Tochter bietet Sex gegen Geld an.

Als ihre Tochter plötzlich beginnt, viel Geld beim Shoppen auszugeben, wird Nadine mißtrauisch. Später findet sie heraus: Ihre Tochter prostituiert sich und bietet Sex gegen Geld an. Jetzt fragt Sie Max, was sie tun soll.

Mit Sex lässt sich viel Geld verdienen
Besonders junge Frauen laufen Gefahr, in die Prostituion gezogen zu werden.

Hallo Max,

ich lese nun schon seit einiger Zeit Deine Seite, und habe mich nun entschlossen, Dir wegen meiner Tochter, die als Prostituierte anschaffen geht, zu schreiben.

Lange Zeit wusste ich nicht, dass sie anschaffen geht, und komme nun erst langsam dahinter. So vor zwei Monaten habe ich zum ersten Mal bemerkt, dass sie irgendwoher Geld hat, das ich mir nicht erklären konnte. Sie hat sich bei der Fahrschule für den Führerschein angemeldet, den konnten mein Mann und ich ihr aus finanziellen Gründen nicht zum 18. Geburtstag schenken. Unser Einkommen reicht für ein gutes Leben, ich möchte mich nicht beklagen. Aber wir haben gerade erst das Dach decken lassen, und da war eben kein Geld für den Führerschein da.

Die Tochter kaufte sich immer mehr neue Sachen – und das Lügen begann


Als ich sie darauf angesprochen habe, woher das Geld kommt, meinte sie, ihre Chefin hätte ihr das Weihnachtsgeld schon früher ausgezahlt (sie macht eine Ausbildung zur Einzelhandelskauffrau). Ich hab ihr das dann geglaubt, aber danach hat sie sich immer neue Sachen gekauft, die sie sich nie und nimmer von ihrem Ausbildungsgehalt leisten könnte (Kleidung, Sonnenbrillen und solcherlei Schnickschnack).

Frau geht shoppen von Gehalt als Prostituierter
Wenn die Tochter sich plötzlich immer neue Dinge leisten kann, stellt sich die Frage, woher das Geld dafür kommt.

Als ich sie auch darauf angesprochen habe, hat sie mir vorgeworfen, ihr nicht zu glauben. Sie hat mir gesagt, ihr Gehalt wurde erhöht und ich solle aufhören, mich einzumischen. Da sie sonst nie so gereizt mir gegenüber ist, habe ich verstanden, dass sie mich anlügt und irgendetwas vorgeht, von dem ich als Mutter keine Ahnung habe. Aber dass sie sich prostituiert, damit hätte ich nie im Leben gerechnet.

Alles kam durch einen Zufall raus


Vor zwei Wochen war sie dann oben in ihrem Zimmer, und ihr Handy lag auf dem Esstisch und hat geklingelt. Da sie es nicht gehört hat, wollte ich abnehmen, und es ihr dann hochbringen, damit der Anruf nicht weg ist. Ich habe also abgenommen, und auf der anderen Seite war ein fremder Mann, der nach einer Yvonne gefragt hat. Ich hatte keine Ahnung, wen er meinte, meine Tochter heißt ja nicht Yvonne, und habe ihm gesagt, er müsse sich verwählt haben.

Mann sucht nach Sex gegen Geld.
Wenn auf dem Telefon der Tochter ein fremder Mann anruft, ist die Verwirrung erst einmal groß.

Wir haben dann die Telefonnummern abgeglichen, und es stellte sich heraus, dass er aber die richtige Nummer gewählt hatte. Ich habe ihn dann gefragt, woher er die Nummer habe, und er meinte aus der Zeitung, bei den Kontaktanzeigen. Außerdem hat er noch gefragt, ob das doch die Nummer von der Nutte sei. Es war unfassbar, ich war so schockiert und habe dem Typen gesagt, er soll nie wieder anrufen und aufgelegt. Da war es mir dann klar, woher meine Tochter das ganze Geld hat.

Und dann ist die Wahrheit raus: Die Tochter bietet Sex gegen Geld


Ich bin dann gleich hoch zu meiner Tochter und habe sie gefragt, ob es stimmt, was ich denke. Sie hat es zuerst nicht zugeben wollen, aber dann hat sie gesagt: „Ja Mama, es stimmt, ich verbringe gegen Geld Zeit mit Männern. Aber ich bin alt genug, und es ist mir egal was ihr denkt.“

Seitdem gibt es nur noch Streit


Seit diesem Moment ist nichts mehr wie früher. Wir streiten nur noch, ich habe so richtig das Gefühl dass sie mich hasst. Bei Streits geht es nicht nur um ihre „Nebentätigkeit“, sondern oft um ganz banale Sachen. Wir kommen einfach nicht mehr miteinander aus. Am schlimmsten ist natürlich der Gedanke für eine Mutter, dass meine Tochter fremde, dreckige alte Männern in sich eindringen lässt und sich damit von ihnen entwürdigen lässt. Die wollen doch nur ihren Körper, an ihr sind sie doch nicht interessiert, diese alten reichen Säcke, so ein Altersunterschied ist ja wiederlich!!! Außerdem ist das doch ein ganz gefährliches Umfeld, ich habe zum Beispiel Angst davor, dass mein Kind geschlagen wird oder ihr sonst irgendwie Gewalt angetan wird.

Ich habe den Respekt vor meiner Tochter verloren, ich kann sie nicht akzeptieren solange sie so etwas macht. Es wäre mir so wichtig, dass sie mit dieser Arbeit aufhört, aber sie weigert sich. Ich wünsche mir aber nichts sehnlicher und weiß nicht, was ich machen soll.

Vielen Dank fürs Zuhören und Deinen Rat,

Nadine

Liebe Nadine,

vielen Dank für Deine Nachricht. Ich musste sofort daran denken, dass der Moment, in dem die Kinder erwachsen werden ja bekanntlichermaßen kein leichter Moment für die Eltern ist. Mir scheint es, dass Deine Tochter in dieser Hinsicht in kurzer Zeit einen riesen Sprung gemacht hat. Dementsprechend hart scheint mir die Situation für Dich zu sein. Denn der Sprung, den sie gemacht hat, geht in eine Richtung, mit der sich wahrscheinlich die meisten Eltern schwer tun würden.

Der Gedanke: Hat man als Eltern etwas falsch gemacht, wenn die Tochter Sex gegen Geld anbietet


Ich könnte mir vorstellen, dass man sich als Eltern in so einer Situation fragt, ob man irgendetwas falsch gemacht hat bzw. wie es dazu kommen konnte. Aber gerade für junge Menschen ist die Verführung des Geldes oft sehr groß. Plötzlich kann man beim Shoppen mal so richtig “die Sau rauslassen” und sich Träume erfüllen, die davor nicht möglich waren. Dafür nehmen die Menschen manchmal Dinge in Kauf, die für andere Menschen nicht nachvollziehbar sind. Und dazu gehören die Berufe aus der Sexindustrie.

Die Sexindustrie ist gerade für junge Leute anziehend.


Deiner Nachricht entnehme ich, dass Deine Tochter volljährig ist. Damit hat sie das gute Recht, mit ihrem Körper zu tun und zu lassen, was sie will. Denn dann ist das ihre Entscheidung, die sie aus freien Stücken gefällt hat. Es sei denn, das Gegenteil ist der Fall: Nämlich, dass Deine Tochter Sex gegen Geld anbietet, weil sie nicht weiß, was sie tut (z.B. aufgrund einer psychischen Erkrankung) oder irgendwie unter Druck steht – häufige Gründe sind z.B. Geldprobleme infolge von Drogenabhängigkeit aber auch andere Menschen, die Menschen zwingen, auf den Strich zu gehen. Sollte dies der Fall sein, dann finde ich es richtig und wichtig einzugreifen. Denn dann ist die Entscheidung, Sex gegen Geld zu bieten nicht mehr freiwillig.

Eine schwierige Situation: Die Tochter ist volljährig und will ihren Körper verkaufen – die Mutter ist dagegen


Ich verstehe jedoch, dass Du gegen ihre Arbeit im Rotlichmillieu bist. Und natürlich kannst Du auch versuchen, sie davon weg zu bekommen. Ich würde Dir jedoch empfehlen, hier keinen Druck auszuüben. Denn die Erfahrung zeigt, dass Druck meist nicht die richtige Möglichkeit ist. Gerade bei einem Mädchen im Alter Deiner Tochter (ich gehe mal davon aus, dass sie heute ungefähr 18 oder 19 Jahre alt ist) kommt man mit Druck oft nicht weit. Sie weiß, dass sie – gerade auch in finanzieller Hinsicht – nicht mehr von Euch abhängig ist und will ihr eigenes Leben leben. Aber natürlich solltest Du Ihr deswegen auch nicht verschweigen, dass Du mit Ihrer Entscheidung nicht einverstanden bist. Denn es ist – gerade für Dich selbst – wichtig, dass Du hier Position beziehst.

Mein Tipp: Eine Aussprache, um den jeweils anderen zu verstehen


Ich denke, es wäre das beste für Euch, dass ihr Euch einmal zusammensetzt und Euch aussprecht. Denn ich könnte mir vorstellen, dass Euer kleinen Streitereien auch etwas damit zu tun haben, dass ihr volkommen unterschiedliche Ansichten zu ihrem Leben habt. Denn wenn es große Konflikte im Hintergrund gibt, ist man oft so gereizt, dass es zu vielen kleineren Streitereien kommt. Ich musste bei der Beantwortung Deiner Mail spontant auch an die Mail von Beate denken, deren Sohn ihr verheimlicht, dass er schwul ist – auch hier sorgte ein Geheimnis für Spannungen

Aber zurück zu Euch: Versuche zu verstehen, warum sie anschaffen geht – was Ihre Gründe dafür sind. Ich denke, dass gerade in Eurem Fall ein Gespräch auch über Ihre Arbeit als Prostituierte für Dich als Mutter wichtig wäre. So kannst Du zum Beispiel etwas darüber erfahren, wo sie arbeitet, wenn sie anschaffen geht – wenn es in einem Puff ist, bedeutet das zum Beispiel, dass es vergleichsweise sicher dort ist, weil eben auch noch andere Menschen vor Ort sind.

Über das Konzept Geld gegen Sex lässt sich gut bei einem Essen sprechen.
Ein klärendes Gespräch lässt sich zum Beispiel gut bei einem gemeinsamen Abendessen führen.


Vielleicht kann sie so Dein Bild einer ekelhaften, abstößigen Tätigkeit revidieren, und Dir zumindest ihren Standpunkt verständlich machen. Das würde auch Dir helfen, Deinen Respekt vor Deiner Tochter zurückzugewinnen. Deine Tochter hat offensichtlich eine andere Einstellung zur Prostitution und nicht zuletzt von ihrem Körper. Diese Einstellung solltest Du nun besser kennenlernen und vielleicht auch ein bisschen verstehen. In einer Unterhaltung solltest Du auf der anderen Seite auch ihr Deine Ängste schildern und sie vor allem auch auf die Risiken der Prostitution hinweisen.

Man muss das Leben seiner Kinder nicht gutheißen. Aber akzeptieren hilft.


Auch wenn das in der jetzigen Situation wahrscheinlich wenig Trost spendet: Es gibt auch andere Mütter, die vor dem gleichen Problem standen. Und ich bin sicher, dass sich eine Reihe von ihnen mit der Zeit an den Beruf der Tochter gewöhnt haben. Denn ich glaube, man muss den (Neben-)beruf der Tochter nicht gutheißen – aber ihn irgendwann zu akzeptieren, das hilft. Es ist außerdem gut möglich, dass es sich hier um eine “Phase” handelt, die doch schneller vorbei ist, als gedacht.

Gut zu wissen: Es gibt Beratungsstellen für Eltern, deren Kinder Sex gegen Geld anbieten


Möglicherweise hilft es Dir aber auch, eine Beratungsstelle für Angehörige von Prostituierten aufzusuchen. Dort kennt man solche Thematiken und kann Dich wahrscheinlich gut beraten. Da ich nicht weiß, aus welcher Stadt Du kommst, habe ich jetzt mal beispielshaft zwei Beratungsstellen rausgesucht, die Angehörige von Prostituierten unterstützen: Hydra in Berlin und Sperrgebiet Hamburg in Hamburg.

Ich finde, dass Prostiution – wenn sie ohne Einfluss von Gewalt und quasi als eigene Entscheidung ausgeübt wird – die Entscheidung eines jeden Menschen selbst ist. Man sollte Menschen deswegen nicht verurteilen. Aber das ist meine objektive Meinung, und ich kann mir – auch für mich selber – vorstellen, dass man, wenn man so unmittelbar wie Du mit dem Thema konfrontiert ist, die Dinge schnell ganz anders sieht.

Ich wünsche Euch beiden alles Gute!

Dein Max

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