Familie

Hilfe – mein Sohn macht mir Angst!

Danielas Sohn hat sich verändert – und macht ihr manchmal sogar Angst. Jetzt fragt sie sich, was sie tun soll um zu verhindern, dass er weiter abrutscht.

Es sieht so aus, als ob der Sohn abrutscht und den Eltern Angst macht.
In der Pubertät verändern sich manche Kinder grundsätzlich.


Hallo Max,

ich bin die Daniela und es geht um meinen Sohn Michael, der 15 Jahre alt ist. Er ist nämlich an die „falschen Freunde“ geraten und ich habe keine Ahnung, wie ich ihn da wieder rausbekommen kann.

Seit ungefähr 8 Monaten hat er einen vollkommen neuen Freundeskreis und wirkt wie ausgetauscht. Er ist damals wegen Drogenkonsum von seiner alten Schule geflogen und auf eine neue Schule gegangen. Klar gab es auch davor immer mal Probleme, aber ich habe das Gefühl, jetzt entgleitet er mir endgültig.

Der neue Freundeskreis macht den Eltern Angst


Dieser neue Freundeskreis, mit dem er da unterwegs ist, ist meiner Meinung nach recht aggressiv und ungut. Natürlich erzählt mir mein Sohn nichts, aber was ich so mitbekomme macht mir Angst.

Sein ganzes Leben dreht sich jetzt nur noch darum, ein „Gangsta“ zu werden. Er hält sich an keine Regeln mehr, wird des öfteren nachts von der Polizei nach Hause gebracht und lässt sich nichts mehr von mir sagen. Überhaupt fehlt ihm und seinen Freunden der Respekt vor anderen Menschen. Wenn er mit seinen Freunden bei uns zu Hause ist, dann wird im Wohnzimmer geraucht (wir sind eigentlich ein Nichtraucherhaushalt), laut Musik gehört so dass sich die Nachbarn beschweren und unser Kühlschrank geplündert. Die Stimmung ist dann teilweise so aggressiv, dass mein Mann und ich uns nicht trauen, dazwischen zu gehen.

Was tun, wenn der Sohn aggressiv ist?


Und das ist eigentlich auch so das Hauptproblem, mit dem ich mich an Dich wende. Das Umfeld meines Sohnes macht mir Angst. Und mittlerweile manchmal auch mein Sohn. Er ist neuerdings so aggressiv und abwertend mir gegenüber, das habe ich davor noch nie erlebt. Und ich weiß auch nicht wie ich damit umgehen soll. Mein Mann und ich haben versucht, mit ihm zu reden, aber er beschimpft uns nur und ignoriert unsere Regeln. Neulich hat er seinem Vater sogar 20 Euro aus dem Portemonnaie geklaut.

Soll man den eigenen Sohn rauswerfen?


Ich weiß wirklich nicht mehr, was ich noch tun soll. Sollen wir ihn rauswerfen? Einmal war mein Mann schon kurz davor! Oder sollen wir ihm noch eine Chance geben? Er war immer so ein guter Junge, und jetzt geht alles den Bach runter.

Hast Du einen Rat für uns?

Daniela

Liebe Daniela,

die Situation, in der Du Dich da befindest klingt wirklich sehr belastend für Dich! Und auch wenn man schon weiß, dass sich das eigene Kind in der Pubertät verändern wird – mit so einer krassen Wandlung ins Negative rechnet man als Eltern dann aber doch nicht.

Und ich finde es vollkommen richtig und nachvollziehbar, dass Du Dich wegen der derzeitigen Situation sorgst. Denn noch besteht die Möglichkeit und vor allem Notwendigkeit, dass Ihr beiden Einfluss auf ihn nehmt, um ihm zu helfen, sein kriminelles und aggressives Verhalten abzulegen. Denn ich könnte mir vorstellen, dass die derzeitige Situation auch für ihn nicht einfach ist.

Was tun, wenn der Sohn die falschen Freunde hat?


Die Frage ist jetzt natürlich, wie Ihr am besten mit der Situation umgeht. Natürlich könntest Du versuchen, ihn von diesem “falschen Freundeskreis” wegzubekommen. Aber da Dein Sohn ja schon früher auffälliges Verhalten an den Tag gelegt hat (z.B. der von Dir beschriebene Drogenkonsum) glaube ich nicht, dass sich das Problem über den Abstand zu seinen derzeitigen Freunden löst.

Ich habe eher den Eindruck, dass das Problem bei ihm und nicht bei seinen Freunden liegt – auch wenn seine neuen Freunde die Situation sicherlich nicht einfacher machen. Da ich Deinen Sohn jedoch nicht kenne, kann ich auch nicht einschätzen, was ihn dazu treibt, sich mit solchen Leuten zu umgeben und sein Umfeld so zu provozieren bzw. einzuschüchtern.

Hilfe von Außen kann helfen!


Um aber zu verstehen, wo die Wurzel für sein Verhalten liegt rate ich Euch, eine Erziehungs- bzw. Familienberatungsstelle aufzusuchen. Dort könntest Du Dich mit Deinem Mann und einem/r Fachmann/frau zusammensetzen, die Situation erklären und einen Rat bekommen. Ihr könntet natürlich auch gleich zu dritt das Gespräch dort suchen. Außerdem gibt es die Option einer Psychotherapie, wobei hier natürlich der Wille seitens Deines Sohnes vorhanden sein muss.

Was ich Dir aber schon jetzt raten kann ist, zu versuchen, wieder überhaupt eine Beziehung zu ihm herzustellen. Denn eine Beziehung ist die Grundlage dafür, dass man wieder gemeinsam ins Gespräch kommt.

Was tun, damit die Beziehung zum Sohn wieder besser wird?


Ich würde Dir raten, in klitzekleinen Schritte vorzugehen – also nicht gleich einen zweiwöchigen Camping Uralub mit der Familie vorschlagen. Du könntes ihn zum Beispiel fragen, was er zum Mittagessen essen will. Oder Du liest Dich einmal in ein aktuelles Thema, das ihn interessiert ein. Spielt er gerne ein bestimmtes Computerspiel? Dann lass es Dir von ihm erklären.

Hilft ein Campingurlaub, wenn der Sohn abrutscht?
Ein Campingurlaub mit der ganzen Familie ist schwierig, wenn es untereinander Streit gibt.

Mag er einen bestimmten Youtuber? Dann schau Dir ein paar Videos an und frag ihn, ob er davon auch welche gesehen hat und was er darüber denkt. Auch wenn er schnell merken wird, dass Du von diesen Themen eigentlich keine Ahnung hast, wird er wahrscheinlich merken, dass Du Dich um ihn bemühst. Und vielleicht wird er anfangen, wieder etwas mehr von sich zu erzählen und damit den ersten Schritt zurück zu einer (guten) Beziehung gehen.

Trotz allem: Regeln sind wichtig!


Auch wenn ich Dir dazu geraten habe, erst einmal eine gute Beziehung aufzubauen gilt trotzdem: Sag Deinem Sohn klipp und klar, was im Haus und allgemein erlaubt ist und was nicht. Sag ihm, dass die derzeitige Situation für Dich unerträglich ist. Aber zeig ihm, dass Ihr trotzdem seine Eltern seid, ihn liebt und für ihn da seid.

Zum Schluss möchte ich Dir noch raten, sehr genau darüber nachzudenken, Deinen Sohn „rauszuschmeißen“. Denke daran, dass ein Rausschmiss Eurer Beziehung einen Schaden zufügt, der vielleicht später nur schwer zu reparieren ist. Aber auch ein Rauswurf ist manchmal nicht zu vermeiden – vor allem, wenn die Situation so angespannt ist, dass Ihr schon manchmal Angst vor Eurem Sohn haben müsst. Ich denke, es wäre wichtig, auch vor einer solchen Entscheidung eine der von mir bereits erwähnten Beratungsstellen aufzusuchen – am besten sobald wie möglich.

Ich wünsche Euch alles Gute!

Dein Max

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