mein Name ist Hans, ich bin 38 Jahre alt und lebe von meiner Frau getrennt, das heißt jetzt ist sie ja schon meine Exfrau. Zusammen haben wir zwei wunderbare Kinder, Vanessa (13) und Sarah (6), die wir gemeinsam aufziehen. Das heißt, an den Wochenende sind die Mädels bei mir und unter der Woche bei meiner Exfrau. Mit der Regelung sind alle einverstanden und neben den gewöhnlichen Problem läuft das im Grossen und Ganzen rund.
Jetzt hat sich aber eine Problematik ergeben, die unsere Regelung in Gefahr bringt. Denn ich habe nun nach langer Trauerzeit eine neue Freundin, die ein bisschen älter ist als ich, sie ist schon Mitte 50. Das Problem ist, daß sie nicht mit meinen Mädels klar kommt bzw. die Mädels nicht mit ihr. Meine Freundin hat selber Kinder, die sind allerdings schon über zwanzig und nicht mehr so jung wie meine.
Ich versuche mal eine Situation zu beschreiben, damit Du Dir ein Bild machen kannst. Letzten Sonntag zum Beispiel, das sassen wir alle zusammen beim Frühstück und meine Jüngste hatte die Kopfhörer von ihrem ipod auf und hat Musik gehört. Meine Freundin hat bei ihren Kindern immer sehr stark auf gute Manieren geachtet, und tut das bei meinen Kindern auch. Ich habe da nichts dagegen, denn gute Manieren sind ja schliesslich nie schlecht, oder? Auf jeden Fall hat sich die Kleine geweigert, die Kopfhörer auszuziehen, und daraufhin hat ihr meine Freundin eine Ohrfeige gegeben.
Du kannst Dir ja vorstellen, was da los war. Beide Mädels haben angefangen rumzuschreien, meine Freundin auch und ich mittendrin. Und am Abend dann der wütende Anruf von meiner Exfrau. Leider ist das nicht das erste Mal, dass meine Freundin den Mädels gegenüber handgreiflich geworden ist, sie ist da eben sehr bestimmt.
Diese Konflikte gehen jetzt schon über Monate, und meine Freundin will eigentlich am liebsten gar keine Zeit mit den Mädels verbringen. Es ist leider auch nicht das erste Mal, dass meine Freundin handgreiflich geworden ist. Ich bin gegen so etwas, aber sie entschuldigt sich danach dann immer und sagt, dass es ihr leid tue.
Leider ist ein gemütliches Familienleben mit meinen Frauen derzeit nicht möglich, und das stört mich sehr. Ich frage mich, ob es sich von selber bessert, oder ob es etwas gibt, das ich tun kann, damit sich das Zusammenleben bessert. Ich liebe beide, meine Töchter und meine Freundin, und möchte mich nicht zwischen beiden entscheiden müssen.
Hast Du einen Rat?
Hans
vielen Dank für Deinen Beitrag! Ich denke, es ist sehr wichtig, über solche Dinge zu reden und zu schauen, ob es nicht eine Lösung gibt. Denn so wie sich das anhört ist die Situation für keinen der Beteiligten schön!
Also prinzipiell ist mein Eindruck, dass Deine Freundin von Deinen Kindern einfach gestresst ist und keine Lust darauf hat, sich mit Ihnen auseinanderzusetzen. Und wenn sie das dann doch tut, dann auf keine gute Weise. Ihre ablehnende Einstellung gegenüber Kindern kann man denke ich ganz gut dadurch erklären, dass die Kinder Deiner Freundin schon über zwanzig sind, und damit schon „aus dem Haus“ sind. Es wirkt auf mich so, als ob Deine Freundin ihren Bedarf an Erziehung erst einmal gedeckt sieht. Sie hat selber Kinder aufgezogen und geniesst wahrscheinlich jetzt die Zeit danach. Anders ist es bei Dir, Deine Töchter sind noch jung und Du hast Freude daran, sie aufwachsen zu sehen.
Nun ist es aber so, dass Deine Freundin wiederholt gegenüber Deinen Töchtern handgreiflich wird, und auch Deine Frau – mit Recht – deswegen Druck auf Dich ausübt. Denn zum einen ist es absolut inakzeptabel, dass Kindern Gewalt angetan wird. Ich habe gerade wieder gelesen, wie hinderlich es für die Entwicklung eines gesunden Selbstwertgefühles ist, wenn Kinder Gewalt erfahren. Und da reicht schon eine Ohrfeige. Kinder haben keine Möglichkeit, mit Gegengewalt zu reagieren bzw. sich zu verteidigen und fühlen sich daher hilflos. Das nagt an ihrem Selbstwertgefühl. Da hilft die Entschuldigung danach nur wenig. Hinzu kommt, dass diese Gewalt auch noch von einer Person ausgeht, die kein direktes Elternteil ist.
Ähnlich ist es mit der Erziehung, die in den Händen von Dir und Deiner Frau liegt, und eben nicht in der Hand von Deiner Freundin, die die beiden am Wochenende sehen. Klar hat Deine Freundin auch mal etwas mitzureden, schliesslich ist sie quasi ein Teil Deiner Familie und somit auch interessiert an der Entwicklung Deiner Kinder. Aber auf mich wirkt es so, als dass sie sich massiv in die Erziehung einmischt, und das finde ich nicht gut. Klar sollte sie dabei helfen, Deine „Regeln“ umzusetzen und Dich unterstützen. Aber in Situationen, wie am Frühstückstisch, wo Du auch dabei bist, liegt die Erziehung bei Dir!
Und ja, ich glaube, dass Du die Situation tatsächlich angehen musst. Denn es geht hier um kleine Kinder, die unter dieser Situation leiden. Ich rate Dir, Dich mit Deiner Freundin zusammenzusetzen, und ihr klar zu machen, dass Du Gewalt gegen Deine Kinder nicht akzeptierst. Und das musst Du ihr klar sagen!
Und sollte es nicht möglich sein, dass sie sich zurücknimmt, denke ich, dass eine andere Lösung gefunden werden muss. Im Zweifel ist diese dann tatsächlich, dass das Wochenende nur Dir und Deinen Töchtern gehört, und die Woche dann Deiner Freundin. Du darfst nicht vergessen, dass es hier um Deine kleinen Töchter geht, deren Schutzbefohlener Du bist. Es liegt an Dir, sie zu beschützen, und da müssen eventuell manchmal Entscheidungen gefällt werden, Die für Dich schmerzhaft sind. Liess Dir doch zu dem Thema auch einmal den Beitrag von Beatrice durch, deren Freundin Anna mit ihrer Tochter etwas überfordert ist und sie dabei eben nicht so gut behandelt, wie sie das tun sollte.
Es tut mir leid, Dir keine aufmunterndere Antwort geben zu können. Suche den Dialog und versuche Deiner Freundin ins Gewissen zu reden. Vielleicht sogar auch zusammen mit Deiner Exfrau. Macht ihr klar, wie ihr Euch die Erziehung Eurer Kinder vorstellt. Und wenn sich auch dann nichts ändert, wirst Du die Konsequenzen ziehen müssen.
Viele Grüße,
Dein Max
Also ich verstehe nicht, warum die Leute sich immer so aufregen, wenn ein Kind mal eine Ohrfeige bekommt. Ich hab also Kinder auch hin und wieder eine “gefangen”, und es hat mir auch nicht geschadet. Ts ts ts.