Familie, Freundschaft

Freundin ist als Mutter überfordert – wie kann ich helfen?

Beatrices Freundin hat eine zweijährige Tochter – und ist als Mutter überfordert. Das ist nicht nur für das Kind schlimm, auch Beatrice leidet und fragt sich, was sie tun kann.

Mutter überfordert von Kind - und schreit.
Kinder bringen Mütter manchmal an ihre Grenzen.


Hallo Max,

mein Name ist Beatrice, und ich habe ein Anliegen.

Das Problem, um das es geht ist allerdings nicht meines, sondern das meiner besten Freundin Anna. Ich hoffe, Du antwortest mir trotzdem, denn die Situation ist ziemlich dringend.

Wenn die Freundin ein tolles Kind hat – aber das selber nicht sieht

Kinder brauchen vor allem eines: viel Liebe.

Meine Freundin Anna hat eine zwei Jahre alte Tochter, die ich wie meine eigene Tochter liebe. Sie ist unglaublich aufgeweckt und einfach nur das süßeste Kind auf dieser Welt. Leider sieht meine Freundin das GAR NICHT. Du müsstest die beiden mal zusammen sehen, es gibt nur Streit und von einer intakten Mutter-Tochter-Beziehung sind sie meilenweit entfernt.


Ist die Mutter überfordert?


Meine Freundin regt sich permanent über ihre Tochter auf, bei allem was sie macht. Nichts kann die Kleine ihrer Mutter recht machen, immer passt irgendwas nicht. Meine Freundin droht ihrer Tochter dann oft damit, sie ins Heim zu stecken, sollte sie sich nicht benehmen. Diese Situation ist für die Tochter, die ja erst zwei ist auch nicht einfach, sie weint sehr viel und ich merke einfach, dass sie sich nicht gesund entwickelt. Jetzt hat sie auch angefangen, nachts wieder ins Bett zu machen, obwohl sie schon trocken war.

Aber was tun, wenn die Mutter überfordert ist?


So geht das nun schon seit einer ganzen Weile, und ich weiß einfach nicht, was ich machen soll. Ich habe schon mehrmals das Gespräch mit meiner Freundin gesucht, um mal offen mit ihr über die Situation zu reden. Am Anfang hat sie immer abgewiegelt, und meinte das sei normal, das war mit ihrer Mutter auch nicht anders.

Empfehlung:
Hilfe – mein Sohn macht mir Angst!

Mittlerweile merkt sie glaube ich selber, dass irgendwas nicht stimmt, und wird immer sehr schnell sauer und laut. Sie meint, das ginge mich nichts an, sie würde mir ja bei der Erziehung meiner Kinder auch nicht reinreden (meine Kinder entwickeln sich aber auch normal, und keiner leidet unter der Situation).

Auch andere finden, dass die Mutter überfordert ist.

Bei überforderten Müttern hilft oft ein Gespräch.
Ein Gespräch mit Angehörigen kann oft helfen, eine gemeinsame Lösung für ein Problem zu finden.

Ich merke, dass ihr die Mutterschaft über den Kopf wächst und dass sie überfordert ist! Nur will sie es nicht zugeben. Ich weiß nicht, wie sie sich die Zukunft vorstellt, aber so kann das nicht weitergehen. Ich habe versucht, auch mit anderen darüber zu reden, zum Beispiel mit ihrer Mutter. Die ist zwar der gleichen Meinung wie ich (dass ihre Tochter als Mutter total überfordert ist), will sich aber nicht einmischen.

Sie selber weigert sich, mit mir noch darüber zu reden, und deswegen überlege ich jetzt, die Konsequenzen zu ziehen. Ich überlege allerdings noch, wie ich am besten vorgehen soll.

Hast Du Erfahrung mit solchen Situationen?

Vielen Dank für Deine Hilfe, und mach weiter so!!!

Deine Beatrice

Liebe Beatrice,

vielen Dank für Deine Nachricht. Und um es vorneweg zu nehmen, ich habe leider keine Erfahrung mit solcherlei Situationen. Aber ich denke, dass ich eine ganz gute Vorstellung davon habe, an wen Du Dich mit Deinem Problem wenden kannst.

Erstmal ein großes Kompliment: Du handelst genau richtig!


Aber der Reihe nach: Ich finde es zuerst einmal toll, dass Du Dich so sehr um das Wohl der Kleinen sorgst und Dich für sie einsetzt. Ich bin sicher, dass viele Menschen schon aufgegeben und sich die Situation schön gelogen hätten, wenn sie auf so viel Gegenwind von der überforderten Freundin gestoßen wären. Aber Du bleibst dran und das finde ich toll. Und vielleicht kannst Du Eure Beziehung ja trotzdem noch retten.

Ich persönlich finde, dass gerade heutzutage Menschen mehr gegenseitig auf sich achten sollten, mehr Verantwortung füreinander übernehmen sollten, denn die Gesellschaft wird immer anonymer. Man mischt sich nicht ein, weil man Angst vor den Konsequenzen hat.

Wenn die Mutter überfordert ist, leidet möglicherweise das Kind.


Natürlich kenne ich Deine Freundin und den Umgang mit ihrer Tochter nicht – daher verlasse mich hier auf Dein Urteil, dass es sich um eine Situation handelt, in der eingegriffen werden muss. Vieles was Du schreibst, deutet darauf hin, dass die Mutter überfordert ist und Hilfe benötigt – letztendlich kann ich das aus der Ferne jedoch nicht beurteilen.

Wenn die Mutter überfordert ist, leidet häufig das Kind.
Auch kleine Kinder reagieren sehr sensibel darauf, wie ihre Eltern mit ihnen umgehen.


Es scheint mir laut Deiner Schilderung so, als ob es hier ein Opfer gibt, das sich nicht wehren kann, und das ist die kleine Tochter Deiner Freundin. Gerade auch die Tatsache, dass das Kind wieder angefangen hat, nachts ins Bett zu machen könnte auf einen erhöhten Stressfaktor hindeuten. Ähnlich verhält es sich mit der Drohung gegenüber der Tochter, diese „ins Heim zu stecken“. Mit solchen Äußerungen setzt man ein Kind unglaublich unter Druck! Und es zeigt, wie verzweifelt die Mutter eigentlich ist, wenn ihr nichts anderes mehr einfällt, um das Verhalten der Tochter – aus ihrer Sicht – unter Kontrolle zu bekommen.

Ein guter Ansatz bei einer überforderten Mutter ist, das Umfeld zu aktivieren.


Dabei auf die Einsicht Deiner Freundin zu hoffen, war sicher der richtige Weg. Aber gerade der Gedanke, keine “gute Mutter” zu sein bzw. Fehler beim Muttersein zu machen ist nicht leicht und wird daher verständlicherweise oft unterdrückt. Ein Beispiel dafür, wie schwer es als Mutter ist, wenn das Kind einem nicht vertraut findest Du in der Mail von Beate, deren Sohn ihr nicht sagt, dass er schwul ist. Da es ja nun aber um das Wohl des Kindes geht, finde ich es vollkommen legitim und richtig, dass Du die Initiative ergreifst. Ich finde es gut, dass Du erst einmal in ihrem Umfeld nach Verbündeten gesucht hast, auch um Dich in Deinem Eindruck zu bestärken. Hast Du Dich auch mit dem Vater des Kindes in Verbindung gesetzt?

Ein kompetenter Ansprechpartner mit viel Erfahrung darin, Mütter zu unterstützen sind Beratungsstellen – und das Jugendamt.


Nachdem Du aber auch bei Ihrer Mutter nicht weiter gekommen bist, geht es nun darum, Deine nächsten Schritte zu überdenken. Da sich Deine Freundin ja nun jeglicher Unterhaltung verweigert, musst Du Dich wohl oder übel über sie hinwegsetzen. Eine Möglichkeit wäre, Dich erstmal an eine Familienberatung zu wenden – möglicherweise hat man dort Ideen dazu, was Du machen kannst. Möglicherweise gelingt es Dir ja auch, Deine Freundin zu überreden, einmal mit Dir gemeinsam zu solch einer Beratungsstelle zu gehen. Ein weiterer Ansprechpartner ist das Jugendamt – auch wenn dieser Schritt wirklich nur dann erfolgen sollte, wenn Du das Gefühl hast, dass die Situation so ernst ist, dass man auch ohne das Einverständnis der Mutter eingreifen muss. Dort kennt man sich – anders als viele denken –nicht nur mit Themen aus, die Gewalt in der Familie betreffen (z.B. wenn Kinder geschlagen werden), sondern auch mit anderen Problematiken (z.B. depressive Mütter, Trennung der Eltern, Angst vor dem eigenen Kind bzw. aggressive Kinder etc. ) und kann Hilfe leisten. Mögliche Lösungen gibt es viele: von der Mutter-Kind-Therapie bis hin zur Familienhilfe.

Wenn die Mutter übefordert ist sollte man sich HIlfe suchen.
Ein Anruf beim Jugendamt ist bei Problemen der erste Schritt in die richtige Richtung.

Da das Jugendamt eine staatliche Einrichtung ist, die über eine gewisse gesetzliche Legitimation verfügt, kann so auch Druck auf die Mutter, die Situation zu verbessern, ausgeübt werden. Das Jugendamt zu involvieren klingt erstmal ziemlich krass. Denn viele Menschen denken, dass es dem Jugendamt nur darum geht, die Kinder aus der Familie zu nehmen. Dem Jugendamt ist aber in erster Linie daran gelegen, der Mutter dabei zu helfen die Situation zu verbessern, so dass das Kind bei der Mutter bleiben kann.

Wichtig für die überforderte Mutter zu wissen: Es geht nicht darum sie bloßzustellen!


Wenn Du das Gefühl hast, dass es etwas bringen könnte, kannst Du Deiner Freundin vor Deinem nächsten Schritt noch eine letzte Möglichkeit geben, ihr Verhalten zu ändern. Mach ihr klar, dass sie nicht die einzige Mutter auf der Welt ist, die von der Kindererziehung gestresst ist. Es ist okay, überfordert zu sein – aber es ist auch wichtig, sich dann Hilfe zu suchen. Erkläre ihr, was Du vorhast und wie wichtig es ist, dass sie jetzt die Weichen für die Beziehung zu ihrem Kind stellt. Ein gutes Vertrauensverhältnis gibt Kindern Halt und zahlt sich für diese im Laufe des Lebens mehr als nur einmal aus.

Überforderte Mütter haben oft ein schwieriges Verhältnis zu ihren Kindern.
Kleinkinder können sich selber nicht wehren. Daher ist es wichtig, dass sie von ihrem Umfeld geschützt werden.


Falls sich aber nichts ändert, solltest Du die Konsequenzen einleiten. Dabei musst Du ihr klipp und klar sagen, dass es hier nicht darum geht, dass Du sie ärgern willst, oder ihr erklären willst, wie man eine gute Mutter ist. Es geht um ein Kleinkind, das zu klein und zu abhängig von der Mutter ist, als dass es irgendetwas selbst ändern könnte. Kinder gehören geschützt, im schlimmsten Fall auch vor ihrer eigenen Mutter.

Ich hoffe, Dir bei Deinem Anliegen mit Deiner Freundin, die als Mutter überfordert scheint, weiter geholfen zu haben. Ich drück Dir die Daumen, dass alles gut geht.

Dein Max

P.S. Eine ähnliche Mail habe ich übrigens von Claudia beantwortet, deren 14jährige Tochter jung Mutter wird und die sich fragt, wie sie sich verhalten soll.

Tagged , , ,

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.