Beruf, Sexualität

Die Pornosucht bestimmt mein Leben – was soll ich tun?

Boris ist süchtig nach Pornos – und verbringt seine gesamte Freizeit im Internet. Doch die Pornosucht fordert ihren Preis.

Pornosucht ist gefährlich.


Hallo Max,

ich heiße Boris und bin 27 Jahre alt. Beruflich habe ich viel mit Computern zu tun, ich bin für die IT bei einem mittelständischen Unternehmen zuständig. Und mein Problem hat auch mit Computern zu tun, genauer gesagt mit dem Internet. Und zwar bin ich süchtig nach Pornos aus dem Internet.

Mit dem Auszug begann die Pornosucht


Ich kann gar nicht genau sagen wann das angefangen hat, aber als ich noch bei meinen Eltern gewohnt habe ist mir mein Verhalten selber nie so aufgefallen. Ich hatte ja durch sie ein geregelteres Leben, nach der Schule Mittagessen, dann Abendessen und dann noch evtl. zusammen fernsehen. Als ich dann aber ausgezogen bin und die Ausbildung angefangen habe, ist bei mir irgendwie alles durcheinander geraten.

Im Internet ist die Pornosucht weit verbreitet.
Im Internet ist die Pornosucht weit verbreitet.

Jetzt hat sich meine Sucht aber ziemlich verstärkt und ich merke dass ich so nicht weitermachen kann. Zur Zeit hänge ich sogar schon morgens vor der Arbeit 1-1,5 Stunden vor dem Computer. Und abends komme ich nicht vor 2 Uhr morgens ins Bett. Dementsprechend müde bin ich dann natürlich über den Tag verteilt.

Die Sucht nach Internet-Sex wird zum Problem


Und wenn ich dann am Abend nach Hause komme, schlafe ich natürlich nicht, sondern mache weiter mit Internetsex. Und das ist mein Teufelskreis, aus dem ich nicht mehr rauskomme. Leider ist es jetzt schon so, dass die auf der Arbeit merken, dass mit mir irgendwas nicht stimmt. Ich versuche natürlich meine Arbeit gut zu verrichten, aber wenn ich immer so müde bin ist das natürlich schwieirig. Wir dürfen zwar Raucherpausen machen, ich bin dann aber immer nur kurz wacher. Kaffee hilft auch nicht mehr richtig.

Und deswegen brauche ich jetzt Deinen Rat. Ich fühl mich einfach nicht gut mit dem was ich mache, fühle mich oft müde und kränklich. Ich weiß ja dass es an meiner Pornosucht und der ganzen Zeit, die ich vor dem Computer verbringe liegt. Aber ich komm einfach nicht davon weg. Und ich hab das Gefühl ich werde es auch nie schaffen.

Aber woher kommt die Pornosucht?


Was diese Internetsex-Sucht ausgelöst hat weiß ich nicht. Ich hatte auf jeden Fall nie das Bedürfnis, richtig mit Mädchen Sex zu haben, das Internet war immer irgendwie genug. Klar schaue ich hübschen Frauen auf der Straße hinterher, aber ich traue mich dann meistens nie sie anzusprechen. Brauche ich ja auch nicht, im Internet habe ich ja eh die schönsten Frauen, die mir einfach so alles zeigen! Ne richtige Freundin hatte ich auch noch nicht, das ist aber mit der Arbeit und so auch wirklich schwierig.

Hast Du irgendeine gute Idee?

Boris aus Mittenwald

Hallo Boris,

vielen Dank für Deine Mail! Ich finde es gut und richtig, dass Du Dir wegen der vielen Zeit, die Du mit Pornographie im Internet verbringst Gedanken machst und gemerkt hast, dass Du etwas verändern musst. Der erste Schritt ist also getan!

Denn was Du da so schreibst hört sich so an, als ob der Druck der auf Dir lastet mit jedem Tag ein bisschen größer wird. Auch wenn ich selbst kein Spezialist im Bereich “Sucht” bin, hört sich mir Deine Schilderung nach einer ausgeprägten Online- bzw. Mediensucht an. Eine Sucht, von der heutzutage eine Reihe von jungen Menschen betroffen sind.

Bei Onlinesucht gibt es viele Hilfsangebote


Die gute Nachricht ist aber, dass es in diesem Bereich eine Reihe von Beratungs- und Therapieangebote gibt! Da gibt es auf der einen Seite spezielle Beratungsstellen, Therapeuten und Selbsthilfegruppen für Mediensucht. In solchen Gruppen ist es oft leichter, Probleme zu lösen, da ja alle Gruppenmitglieder vor der gleichen Aufgabe stehen. Das ist vielleicht am Anfang ein bisschen ungewohnt, man lernt aber ziemlich schnell eine Menge über sich selber! Einen guten Überblick über das Hilfsangebot im Bereich Onlinesucht findest Du auf der Seite der Caritas, klicke einfach hier auf den Link.

Was tun bei Pornosucht?


Auf der anderen Seite kommt aber vielleicht auch eine Psychotherapie für Dich in Frage. Solltest Du Dich in diese Richtung entscheiden, könntest Du Dir einen Psychotherapeuten in Deiner Nähe raussuchen und einen Termin vereinbaren.

Pornosucht
Das Internet ermöglicht es, zu jeder Tages- und Nachtzeit auf Pornographie zuzugreifen.


Du siehst also, mein erster und wichtigster Rat ist, Dir professionelle Hilfe zu suchen. Auf der anderen Seite gibt es jedoch auch Punkte, an denen Du jetzt schon ansetzen könntest. Diese ersetzen jedoch keine professionelle Hilfe!

Hier sind ein paar Tipps, um von der Pornosucht loszukommen:


Ich könnte mir zum Beispiel vorstellen, dass es Dir helfen würde, mal wieder mehr in das “reale Leben” einzutauchen. Denn Dein Problem hat ja erst angefangen, als Du bei Deinen Eltern ausgezogen bist; als Du quasi aufgehört hast, außerhalb Deiner Arbeit noch andere Menschen um Dich herum zu haben. Und zum realen Leben gehört: Freunde oder Bekannte zu treffen. Zum Beispiel für einen Fernsehabend oder zum gemeinsamen Grillen.

Du schreibst ja, dass Du sehr viel arbeitest. Da ist es natürlich oft schwer, andere Leute kennen zu lernen. Aber vielleicht ist ja der eine oder andere Arbeitskollege dabei, mit dem Du Dir eine Freundschaft vorstellen könntest? Und auch wenn das nicht so ist, gibt es viele Möglichkeiten, sich einen Freundeskreis aufzubauen. Du schreibst ja, dass Du Dich gut mit dem Internet und der Cyberwelt auskennst – vielleicht gibt es ja dort Leute, die Du gerne mal in Deiner Freizeit treffen würdest. Ich rate Dir, einfach mal zu fragen.

Ein Tagesplan kann helfen, um von der Internetsexsucht loszukommen


Eine andere Möglichkeit, die Zeit vor dem Computer langsam zu reduzieren, könnte ein Tagesplan sein. Darauf könntest Du Dir selber Zeiten einteilen, in denen Du den Computer benutzt und so Deine Onlinezeit beschränke. Aber sei vorsichtig und besonders zu Anfang nicht zu streng mit Dir – denn wenn Du die Onlinezeit zu stark einkürzt besteht die Gefahr, dass Du den Plan nicht einhalten können wirst. Die Zeiten, in denen Du dann weder vor dem Computer noch bei der Arbeit sitzt, könntest Du dann mit anderen Beschäftigungen füllen, die nichts mit dem Computer zu tun haben. Zum Beispiel Kochen und Essen (ohne, dass der PC nebenher läuft), kurze Spaziergänge, ein Telefonat (zum Beispiel mit den Eltern), usw.

Ganz wichtig: Jetzt muss gehandelt werden


Zum Abschluss möchte ich Dir sagen, wie wichtig es ist, dass Du jetzt etwas unternimmst. Du hast noch einen intakten Tagesablauf, der Dir dabei helfen kann, erfolgreich gegen Deine Pornosucht vorzugehen. Denn sollte sich die Situation noch verschlimmern und Du sogar eines Tages wegen Deiner Müdigkeit bei der Arbeit Deinen Job verlierst, wird es viel schwieriger für Dich werden, vom Computer weg zu kommen.

Ich wünsche Dir alles Gute!

Dein Max

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