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‘Freundschaften’ Category

  1. Beatrice fragt: Meine beste Freundin ist mit ihrem Kind überfordert, was soll ich machen?

    7. Januar 2012 by Admin

    Hallo Max,

    mein Name ist Beatrice, und ich habe ein Anliegen.

    Das Problem, um das es geht ist allerdings nicht meines, sondern das meiner besten Freundin Anna.
    Ich hoffe, Du antwortest mir trotzdem, denn die Situation ist ziemlich dringend.

    Meine Freundin Anna hat eine zwei Jahre alt Tochter, die ich wie meine eigene Tochter liebe. Sie ist unglaublich aufgeweckt und einfach nur das süßeste Kind auf dieser Welt. Leider sieht meine Freundin das GAR NICHT. Du müsstest die beiden mal zusammen sehen, es gibt nur Streit und von einer intakten Mutter-Tochter-Beziehung sind sie meilenweit entfernt.

    Meine Freundin regt sich permanent über ihre Tochter auf, bei allem was sie macht. Nichts kann die Kleine ihrer Mutter recht machen, immer passt irgendwas nicht. Meine Freundin droht ihrer Tochter dann oft damit, sie ins Heim zu stecken, sollte sie sich nicht benehmen. Diese Situation ist für die Tochter, die ja erst zwei ist auch nicht einfach, sie weint sehr viel und ich merke einfach, dass sie sich nicht gesund entwickelt. Jetzt hat sie auch angefangen, nachts wieder ins Bett zu machen, obwohl sie schon trocken war.

    So geht das nun schon seit einer ganzen Weile, und ich weiß einfach nicht, was ich machen soll. Ich habe schon mehrmals das Gespräch mit meiner Freundin gesucht, um mal offen mit ihr über die Situation zu reden. Am Anfang hat sie immer abgewiegelt, und meinte das sei normal, das war mit ihrer Mutter auch nicht anders. Mittlerweile merkt sie glaube ich selber, dass irgendwas nicht stimmt, und wird immer sehr schnell sauer und laut. Sie meint, das ginge mich nichts an, sie würde mir ja bei der Erziehung meiner Kinder auch nicht reinreden (meine Kinder entwickeln sich aber auch normal, und keiner leidet unter der Situation).

    Ich merke, dass ihr die Mutterschaft über den Kopf wächst! Nur will sie es nicht zugeben. Ich weiß nicht, wie sie sich die Zukunft vorstellt, aber so kann das nicht weitergehen. Ich habe versucht, auch mit anderen darüber zu reden, zum Beispiel mit ihrer Mutter. Die ist zwar der gleichen Meinung wie ich (dass ihre Tochter total überfordert ist), will sich aber nicht einmischen.

    Sie selber weigert sich, mit mir noch darüber zu reden, und deswegen überlege ich jetzt, die Konsequenzen zu ziehen. Ich überlege allerdings noch, wie ich am besten vorgehen soll.

    Hast Du Erfahrung mit solchen Situationen?

    Vielen Dank für Deine Hilfe, und mach weiter so!!!

    Deine Beatrice

    Liebe Beatrice,

    vielen Dank für Deine Nachricht. Und um es vorneweg zu nehmen, ich habe leider keine Erfahrung mit solcherlei Situationen. Aber ich denke, daß es Institutionen gibt an die Du Dich wenden kannst, die damit Erfahrung haben.

    Aber der Reihe nach. Ich finde es zuerst einmal toll, daß Du Dich so sehr um das Wohl der Kleinen sorgst und Dich für sie einsetzt. Ich bin sicher, daß viele Menschen schon aufgegeben hätten, wenn sie auf so viel Gegenwind von der Freundin gestossen wären. Aber Du bleibst dran, und das finde ich toll. Und auch wenn es etwas geschwollen klingt: Ich finde, daß gerade heutzutage Menschen mehr gegenseitig auf sich achten sollten, mehr Verantwortung füreinander übernehmen sollten, denn die Gesellschaft wird immer anonymer. Man mischt sich nicht ein, weil man Angst vor den Konsequenzen hat. Ja, ich würde sogar soweit gehen, und Dein Anliegen in die Nähe von (Zivil)courage rücken.

    Denn es gibt hier ein Opfer, das sich nicht wehren kann, und das ist die kleine Tochter Deiner Freundin. Und daher tust Du richtig daran, einzuschreiten. Gerade auch die Tatsache, daß das Kind wieder angefangen hat, nachts ins Bett zu machen könnte auf einen erhöhten Stressfaktor hindeuten. Ähnlich verhält es sich mit der Drohung gegenüber der Tochter, diese „ins Heim zu stecken“. Mit solchen Äusserungen setzt mann ein Kind unglaublich unter Druck! Und es zeigt, wie verzweifelt die Mutter eigentlich ist, wenn ihr nichts anderes mehr einfällt, um das Verhalten der Tochter – aus ihrer Sicht – unter Kontrolle zu bekommen.

    Vieles was Du schreibst, deutet auf eine Überforderung der Mutter hin. Gut möglich, daß sie diese Erfahrung auch schon mit ihrer Mutter gemacht, da sie ja auch von einem solch gestressten Verhältnis zu ihrer Mutter berichtet. Das heisst aber noch lange nicht, daß es so sein muss, und dass es nicht eine bessere Lösung für das Kind gibt; vielleicht auch für die Mutter.

    Dabei auf die Einsicht Deiner Freundin zu hoffen, war sicher der richtige Weg. Aber gerade die Einsicht, eventuell am Muttersein zu scheitern ist keine leichte und wird daher verständlicherweise oft unterdrückt. Da es ja nun aber um das Wohl des Kindes geht, finde ich es vollkommen legitim und richtig, dass Du die Initiative ergreifst. Ich finde es gut, dass Du erst einmal in ihrem Umfeld nach Verbündeten gesucht hast, auch um Dich in Deinem Eindruck zu bestärken. Hast Du Dich auch mit dem Vater in Verbindung gesetzt?

    Nachdem Du aber auch bei Ihrer Mutter nicht weiter gekommen bist, geht es nun darum, Deine nächsten Schritte zu überdenken. Da sich Deine Freundin ja nun jeglicher Unterhaltung verweigert, musst Du Dich wohl oder übel über sie hinwegsetzen. Als kompetentester Partner fällt mir in diesem Fall das Jugendamt ein. Dort kennt man sich mit solchen Problematiken aus, und kann Hilfe leisten. Mögliche Lösungen gibt es von der Mutter-Kind-Therapie bis hin zur temporären Unterbringung der Tochter in einer Pflegefamilie viele. Da das Jugendamt eine staatliche Einrichtung ist, die über eine gewisse gesetzliche Legitimation verfügt, kann so auch Druck auf die Mutter, die Situation zu verbessern, ausgeübt werden. Druck, den Du alleine nicht ausüben kannst. Natürlich kannst Du Dich auch erst einmal an eine Familienberatung bei Euch in der Stadt wenden, aber da diese Einrichtungen über keinerlei Möglichkeit verfügen, Druck auszuüben ist der Effekt fraglich.

    Im Vorfeld würde ich Deiner Freundin aber noch eine letzte Möglichkeit geben, ihr Verhalten zu ändern. Erkläre ihr auch, dass sie jetzt die Weichen für die Beziehung zu ihrem Kind stellt. Ein gutes Vertrauensverhältnis gibt Kindern halt und zahlt sich für diese im Laufe des Lebens mehr als nur einmal aus. Dazu kannst Du Dir auch noch einmal den Beitrag von Daniela durchlesen, deren Sohn die falschen Freunde hat und droht abzurutschen . Falls sich aber nichts ändert, solltest Du die Konsequenzen einleiten. Dabei musst Du ihr klipp und klar sagen, dass es hier nicht darum geht, dass Du sie ärgern willst, oder ihr erklären willst, wie man eine gute Mutter ist. Es geht um ein Kleinkind, das zu klein und zu abhängig von der Mutter ist, als dass es irgendetwas ändern könnte. Kleinkinder gehören geschützt, im schlimmsten Fall auch vor ihrer eigenen Mutter.

    Ich hoffe, Dir bei Deinem Anliegen weiter geholfen zu haben. Ich drück Dir die Daumen, dass alles gut geht. Und beglückwünsche Dich noch ein letztes Mal zu Deinem Engagement und Verantwortungsgefühl.

    Dein Max

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