Rss Feed

Claudia fragt: Wie reagiere ich auf die Schwangerschaft meiner 14jährigen Tochter?

17. August 2011 by Admin

Hallo Max!

Ich habe ein grosses Problem, und ich weiss nicht weiter.

Es geht um meine Tochter Sonja, die mit 14 Jahren schwanger ist von ihrem 18jährigen Freund. Sie hat es mir gestern Abend erzählt, und ich wusste gar nicht, wie ich reagieren sollte, und weiss es immer noch nicht. Sie ist doch noch so jung und gar nicht bereit dafür, Mutter zu sein.

Als Mutter bin ich jetzt absolut ratlos, ich habe keine Ahnung wie ich reagieren soll. Zumal unser Kontakt in letzter Zeit sowieso nicht der beste war. Wir haben uns irgendwie auseinandergelebt, in den letzten Monaten hat sie nur noch selten zu Hause geschlafen und ist meistens bei ihrem Freund.

Sie sagt, da fühlt sie sich wohler, und ich nerve sie nicht. Dabei will ich sie gar nicht nerven, es ist halt einfach nicht so leicht mit einem 14 jährigen pubertierenden Mädchen. Sie will am Abend immer länger weg bleiben als ich ihr erlaube und weigert sich, Regeln einzuhalten, die es nun mal in unserem Haushalt einzuhalten gibt (Geschirr abräumen, einkaufen usw.). Ihre beiden Geschwister (12 und 8 Jahre alt) richten sich aber doch auch danach.

Erschwert wird unsere Situation dadurch, dass ich alleinerziehend bin und die Kinder und ich keinen Kontakt zu ihrem Vater bzw. meinem Mann haben. Da gab es oft Streit, ich hatte manchmal das Gefühl, dass Sonia mir die Schuld an ihrer fehlenden Beziehung zu ihrem Vater gegeben hat. Und natürlich habe ich auch nicht so viel Zeit wie andere Mütter, mich um meine Kinder zu kümmern, da ich tagsüber arbeite. Die Kinder sind in dieser Zeit im Hort und wir sehen uns dann immer erst alle am abend. Aber anders ist es leider nicht möglich, ich will ihnen ja auch Perspektiven im Leben bieten.

So, so viel zu unserer Beziehung. Auf jeden Fall weiss ich jetzt eben, dass sie schwanger ist! Das war so, sie war gestern abend hier, um sich neue Kleider zu holen. Und da habe ich eine kleine Wölbung an ihrem Bauch bemerkt. Mir ist das Herz in die Hose gerutscht, ich konnte zuerst gar nicht glauben, was ich da sah. Ich hab sie natürlich sofort gefragt, und sie hat es mir dann auch direkt gesagt. Verlegen auf den Boden geschaut hat sie, und leise „ja“ gesagt.

Ich wollte sie dann natürlich beiseite nehmen, und mit ihr drüber reden, das ist ja nichts, was mal so zwischen Tür und Angel erwähnt wird. Aber sie hat sich geweigert, mit mir drüber zu reden. Sie hat gesagt, das sei ihre Sache, und gehe mich nichts an. Sie ist dann aus dem Haus, und hat mich total hilflos zurückgelassen.

Das war jetzt gestern abend, und ich konnte heute den Tag über an nichts anderes denken. Ich muss noch einmal mit ihr sprechen, aber ich weiss nicht was ich zu ihr sagen soll. Wie ich die Konversation angehen soll. Und deshalb habe ich Dir geschrieben.

Ich freue mich auf Deine (hoffentlich baldige) Antwort,

Deine Claudia

Liebe Claudia,

das ist ein sehr emotionaler Brief, den du mir da geschickt hast. Ein Brief, der auch mich sehr aufgewühlt hat. Denn ein 14jähriges Mädchen, das alleine (bzw. ohne die Hilfe ihrer Mutter) mit solch einer großen Aufgabe fertig werden will, das weckt schon die Beschützerinstinkte in uns Erwachsenen.

Eure Situation hört sich allerdings auch wirklich verfahren an. Schade, dass ihr beiden es in den letzten Monaten nicht geschafft habt, ein funktionierendes, ausgeglichenes Mutter/Tochter Verhältnis zu haben. Ich verstehe aber, dass das unter den gegebenen Umständen auch nicht einfach ist.

Aber ich finde ein totaler Kontaktabbruch (bzw. ein Auszug) ist mit dem Umstand, dass Du ganztäglich arbeitest nicht zu erklären. Es gibt genügend Mütter, die alleinerziehend sind und arbeiten, und es schaffen, auch durch die Pubertät hindurch den Draht zu ihren Töchtern nicht zu verlieren. Genauso gibt es aber auch genug Mütter, die nicht arbeiten, und denen das nicht gelingt. Und Deine 14jährige Tochter ausziehen zu lassen, finde ich keine sehr gute Idee. So wie sich das anhört, muss sie schon länger das Gefühl gehabt zu haben, auf sich selbst eingestellt zu sein. Und da hättest Du als Mutter schon reagieren müssen. Die Pubertät ist für Mutter und Tochter eine schwierige Zeit, aber als Mutter ist man meiner Meinung nach schon in der Position, in der man Konflikte austragen sollte, anstatt sie vermeiden sollte. Denn dadurch, dass Du ihr den partiellen Auszug erlaubt hast, hast Du den Konflikt vermieden.

Jetzt ist es aber nun mal so, dass Eure Beziehung so ist, wie sie ist, und dass Deine Tochter schwanger ist. Und ich glaube, dass Du als Mutter jetzt „über der Situation“ stehen musst, das heisst alles Vergangene, alle Streits und alle verletzten Gefühle beiseite lassen musst, und Deiner Tochter in dieser für sie so schwierigen Zeit einen Neuanfang Eurer Beziehung ermöglichen solltest.

Denn es ist wichtig, dass Du reagierst. Es ist immer noch Deine kleine Tochter, die Deine Hilfe braucht. Tochter sein hört nicht damit auf, dass sie selber eventuell Mutter wird. Ich rate Dir, in dieser Situation ihre Abwehrhaltung nicht so ernst zu nehmen, und sich vor allem davon nicht einschüchtern zu lassen, bzw. abgestossen zu fühlen. Du bist hier die Erwachsene, und Du bist ihre Mutter. Sei einfühlsam, aber gib ihr das Gefühl, dass Du nicht weggehst. Dass Du für sie da bist, egal wie sehr sie Dich anfaucht.

Du solltest ihr also jegliche Hilfestellung anbieten. Materielle/ Finanzielle, aber in erster Linie auch Psychologische. Sei für sie da, sprich mit ihr und geh mit ihr zu Beratungsstellen. Vor allem aber: Mach ihr bewusst, was da auf sie zukommt. Denn eine 14jährige hat keine Ahnung, wie anstrengend Muttersein sein kann. Zeige ihr alle Optionen, die es in diesem Zusammenhang gibt. Überlege Dir, ob Du ihr vielleicht anbieten könntest, ihr bei der Erziehung des Kindes zu helfen; bzw. ob das für Dich zeitlich machbar ist.

Leider hast Du nun nichts darüber geschrieben, wie das Verhältnis zu ihrem Freund ist. Ist ihr Freund Deines Eindruckes nach reif genug, ein Kind mit ihr aufzuziehen? Unterstützt er sie? Kann er ihr den Halt geben, den sie in ihrer Familie vermisst hat? Denn all das ist nicht ganz irrelevant. Bezüglich des Altersunterschiedes möchte ich sagen, dass Liebe meiner Meinung nach kein Alter kennt. Wenn beide in der Beziehung glücklich sind und sich gegenseitig gut behandeln, finde ich gibt es nichts einzuwenden. Eine kurze Anmerkung zum rechtlichen Rahmen dieser Beziehung Deiner Tochter: Da ihr Freund volljährig ist, sie aber noch nicht, dürfen beide Sex miteinander haben, solange dies nicht entgeltlich oder unter Ausnutzung einer Zwangslage stattfindet. Da ich annehme, dass letzteres nicht zutrifft, ist also vom rechtlichen her nichts gegen diese Beziehung einzuwenden.

Zum Schluss möchte ich Dich noch auf zwei ähnliche Briefe, die ich in de Vergangenheit beantwortet habe, hinweisen.

Da ist der Brief von Melanie, die zum Zeitpunkt unseres Kontaktes gerade erfahren hatte, dass sie adoptiert ist. Die Parallele zwischen Deiner Tochter und Melanie sehe ich darin, dass beide früh Kinder bekommen haben, und das möglicherweise aus einer ähnlichen Motivation heraus: Beide könnten den Wunsch gehabt haben, eine intakte Familie aufzubauen, die sie so nicht hatten.

Und dann ist da noch der Brief von Daniela, deren Sohn abzurutschen droht, auch weil sie den Zugang zu ihm verloren hat.

Ich wünsche Dir und Deiner Tochter alles gute in den nächsten Wochen. Zeige ihr, dass Du für sie da bist, und finde eine für alle positive Lösung. Denn nicht zuletzt geht es hier um ein Kind, das in die Welt geschickt wird. Und dabei den bestmöglichen Start geniessen sollte.

Sei feste umarmt,

Dein Max

Share

2 Kommentare »

  1. RostigeSonne sagt:

    Greif Dir da mal selber an die nase, ist ja nicht auszuhalten.

  2. Barbara sagt:

    Ich finde Max hat das ganz richtig geschildert. Gewinne erst ihr Vertrauen, und hilf ihr dann! Barbara

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>